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Alles für’n Arsch

Wüste, Berge, Hügel, Pferde, Kamele, Esel, Flüsse unendliche Weiten, kein Mensch weit und breit, keine Dusche, kalte Nächte und ein paar aufgeriebene Ärsche. Aber fangen wir mal vom Anfang an: Nach unserem Aufenthalt in Russland sind wir mit der Transmongolischen Bummelbahn nach Ulan Bator in die Mongolei. Die Fahrt mit dem Zug war ganz easy, wir waren es ja schon gewohnt und doch hat sich die Fahrt ein wenig hingezogen, da wir an der Grenze ca. 10 Stunden verbracht haben (insgesamt sind wir 33 Stunden gefahren). Aber es war gut zu ertragen, weil der Zug zu 100% mit Touris bestand und jeder so seine Reisegeschichten und Erfahrungen hinter sich hat. Es gab einen regen Austausch. In unserem Coupé sind wir zu dritt gewesen, der David aus der Schweiz (23 Jahre junger Kunstgeschichtestudent) hat uns Gesellschaft geleistet. Und wir haben auch zum ersten Mal unsere Kabelbinder benutzt! Was? Warum nimmt man Kabelbinder mit auf eine Weltreise? Bis Dato haben wir es auch nicht gewusst, aber David hat uns von seiner kaputten Brille erzählt, diese wurde fix mit einem Kabelbinder und dem Leatherman Wave repariert. Später trafen wir David wieder, in Ulan Bator und siehe da die Brille hielt immer noch!

Tag 1
Erst mal die Lage checken. Irgendwie waren wir total müde, kein Wunder, es ist auch 6 Uhr in der Früh! Wir wurden vom Bahnhof abgeholt mit einer Hand voll Backpacker aus Frankreich. Unser Hostel namens „Golden Gobi“ ist wirklich super. Ein reiner Backpacker-Treff und Überwiegend Franzosen. Mist, warum können wir kein Französisch? Wir mussten bis 11 Uhr auf unser Zimmer warten. Die Gäste haben noch in unserem Bett geschlafen. Ok kein Problem. Wir haben ein kleines Frühstück bekommen und in der Zeit hat uns ein junger Mann angesprochen: Habt ihr Bock mit mir ne mehrtägige Tour zu starten? Ich hab vor nach … zu fahren und dann…. . Ok Stop! Wie heißt du? Ich heiße Itay. Ok Itay,we don’t know, we just arrived and are waiting for our room! Wir waren müde und in dem Moment auch schon irgendwie genervt. Ok, RenArtis ihr müsst euch zusammenreißen! Auf dem Tisch lag eine Mappe mit organisierten Touren. Eine 11-tägige Tour hätte uns p.P. gute 1000€ gekostet. WHAT???Das hat uns erst mal aus den Socken gehauen. Wir sind erst mal raus und haben unsere Suche nach einem Bankautomaten gestartet. In der Zeit haben wir erst mal die Lage gecheckt und sind während dessen einmal zurück zum Hostel. Und da war er wieder, Itay. Er hat schon seit 3 Tagen auf Leute, wie uns gewartet: Die abenteuerlustig sind und low budged unterwegs sind. Seltsam da sind so viele abenteuerlustige Backpacker im Hostel und keiner will mit ihm mit? Er hat mittlerweile schon eine Anhängerin gefunden, die Michelle und beide haben uns nun überredet mit ihnen mitzukommen! Zu Itay: Er ist 23, Israeli durch und durch, war 3 Jahre bei der Army, hat 5 Tage von einer Ziege leben können, lebte 1 Jahr in der Wüste und liebt alles, was nach Adventure riecht. Aus seinen Wanderstöcken hat er kurzerhand eine Angel gebastelt und tatsächlich was gefangen! Unser Mann, wenn es ums Überleben in der Wildnis und ums Resteessen geht!! 😉 Michelle, unsere Schweizermama, 32, Professorin aus Zürich, die unter anderem in einer Band singt, als Teeny für die Schweiz Hürden gelaufen ist und jetzt mit uns die Mongolei bereist! Tolle Frau, sehr sympatisch und sehr taff und erfahren! Und dann noch wir Greenhorns! Yes! Mongolei auf eigene Faust und wenig Geld. Wir sind dabei! Ein kleiner Trekking-Plan und eine Liste mit Essen. Michelle hat einen Fahrer und ein Zelt für uns organisiert, wir haben 2 Schlaftüten gemietet und es kann los gehen! Wir sind sehr gespannt!

Tag 2
Wir haben geradeso ausgeschlafen und sind mit dem Auto morgens los gefahren. Das Auto wurde picke packe vollgepackt und wir sind gute 5 Stunden zu unserem ersten Punkt gefahren. Wo der genau ist? Mitten im Nirgendwo neben einem Wüstenstreifen! Es ist wirklich der Wahnsinn! Alles ist grün, Steppe all around und mitten drin erstreckt sich über einige Kilometer einfach nur Sand, Sand, Sand! Vom Berg aus sieht es aus, wie aufgeschütteter Strand, aber wenn man mitten drin ist und die vielen Skelette sieht, dann fühlt es sich doch schon ein wenig an wie Wüste…  Es ist auf jeden Fall ein sehr einsamer Ort umgeben von mongolischen Nomaden (40% der Bevölkerung besteht aus Nomaden). Hier sind wir abseits der Hauptstraße bei einer Familie gelandet, die uns eine Jurte zur Verfügung gestellt hat. Wir haben uns gleich wohl gefühlt. Warum? Der Itay hat den Kinds aus Papier einige Origanifiguren gebastelt und schon sind sie unsere Freunde. Mit den Erwachsenen wurde ein wenig geschnackt auch wenn nur mit Händen und Füßen. Auch übrigens: Wenn ein Mongole dich plötzlich anfällt und dich zum Fall bringen will, dann ist es ein Zeichen dass er mit dir ringen will! 😉 Unbedingt darauf eingehen! Das macht Spaß und hält dich fit! Draußen wurde mit den Kids in der Kackematsche fangen und Ball gespielt, es war einfach schön! Gegen Abend ist der Hausherr in unsere Jurte gekommen (nachdem wir kackendreist in seine Jurte gestürzt sind und den Boden dreckig gemacht haben) und hat uns eine Runde Vodka ausgegeben. Jep! Das ist ein Zeichen dafür, dass sie uns akzeptieren und uns mögen! Na klar wir haben auch beim Feuerholz geholfen. Leider hatte das Wetter nicht ganz so mit gemacht, wir hatten beinahe durchgehend regen und draußen war überall Dreck, Ziegenkacke, Kuhkacke und Pferdekacke und hinter der ersten Sanddüne auch die Menschenkacke. Das ist quasi die Toilette. Aber man kann sich an diese Umstände gewöhnen!

Tag 3
Nach einer erholsamen Nacht sind wir morgens auf eine Hikingtour gestartet. Wir haben dem Fahrer gesagt, dass er sich keine Sorgen machen braucht, da wir nur ne kleine Runde drehen (2 Stunden). Wir sind dann anschließend gute 25 km gewandert. Quer durch einen Wüstenabschnitt über mehrere Hügel und haben gegen Mittag total unterernährt und bis auf die Unterhosen durchnässt ein Camp angetroffen. Im großen Speisesaal wollten wir gerne eine Menükarte haben und ein wenig die Preise checken. Aber wir können mit den Preisen nichts anfangen und die Angestellten ebenso so wenig mit uns, da sie kein Wort Englisch können noch verstehen. Eine Deutsche Reisegruppe hat unsere Lage gecheckt und hat uns ihren Mongolischen Dolmetscher zur Verfügung gestellt, den haben wir im Endeffekt nicht benötigt, denn wir scheinen SO hungrig ausgesehen zu haben, dass die Deutschen uns einige ihrer Lunchpakete zur Verfügung gestellt haben. Vielen herzlichen Dank an unsere Landsleute! Da soll noch mal jemand sagen, die Deutschen seien unfreundlich 😉 Nach der Pause ging die Regenwanderung zum nahegelegenen Kloster weiter (angeblich 2 km). Und nach diesem Kloster, das irgendwie mehr ein Treffpunkt zum Quatschen für Natives und Touris war haben wir unsere Rückreise angebrochen, das war das härteste überhaupt. An einer Stelle haben sich unsere Wege getrennt: Itay und Michelle sind ab durch das sumpfige Gebiet und wir beide haben den etwas trockenen Weg gewählt. Unser Ziel war die Hauptstraße zu erreichen, da wir irgendwie den selben weg zurück wegen dem Regen nicht mehr nehmen konnten. An der Hauptstraße total erschöpft angekommen hat gleich das erste Auto angehalten und gefragt, ob sie uns mitnehmen sollen. Wir scheinen wohl mal wieder SO K.O. ausgesehen zu haben, dass sich die Menschen über uns erbarmt haben und uns helfen wollten. In Englisch und Russisch und mit Händen und Füßen haben wir versucht dem Fahrer und seiner Beifahrerin deutlich zu machen, dass die beiden winzigen Gestalten am Horizont unsere Freunde sind und auch mit müssen.  Die haben es irgendwie verstanden und netterweise die Rückbank für uns 4 frei gemacht und einige Minuten gewartet, sodass wir eine trockene Rückfahrt hatten. Danke an dieser Stelle auch an die sehr netten Mongolen, ihr wart einfach ZU süß! In diesem Moment waren wir einfach nur sehr glücklich, denn an diesem Tag haben wir eine Menge netter Menschen Mitten im Nirgendwo geholfen, dass wir die Schmerzen in den Beinen und unsere Erschöpftheit für einen Moment vergessen haben. Abends in der Jurte angekommen ist der Tag erst mal gelaufen. Es wurde nur noch lecker essen angefertigt, gegessen und zufrieden in’s Bett gegangen. 

Tag 4
Pleiten Pech und Pannen: Unser Auto hatte einen Platten, aber kein Problem. Wir sind irgendwie nach Kharkhorin gekommen. Dort haben wir erst mal nen Horsetrack organisiert, war erst einmal schwierig zu organisieren, da angeblich alle Pferde im Land unterwegs sind. Im Land der Pferde sind alle Pferde schon unterwegs??? Oh no!!! Aber ein guter Mongole hat uns dann irgendwann in sein Jurtencamp abgeholt und wir haben uns da erst mal für eine Nacht in der Jurte niedergelassen. Da unser Fahrer Tuksu unbedingt Mach (Fleisch) essen wollte und uns wohl für vegetarische Touristen gehalten hat, ist Michelle mit ihm mitgegangen und hat ein wenig Fleisch besorgt, an einem Ort, den sie lieber nicht gesehen haben sollte 😉 Wir haben das Fleisch zubereitet und es war erstaunlicher Weise echt gut! Abends saßen wir dann in der Runde und haben uns über den Preis fürs Reiten unterhalten: 55€ pro Tag und pro Person! Was??? Der Preis haut uns um! Itay meint, dass er im Norden der Mongolei für 16€ pro Tag geritten ist. Das ist ein reiner Wucher! Und das nur, weil wir Touristen sind!!! Aber wir sind geduldig bleiben nett und haben uns auf 55€ pro Person und 2 Tage geeinigt. 50% Rabatt! :-D, das war zwar immer noch viel, aber verträglich. Also freuten wir uns einfach nur noch auf das Reiten, denn DAS ist Mongolei!!!

Tag 5
Morgens ging es früh los für uns: Die Pferde waren gesattelt, wir bekamen eine kurze (mit Händen und Füßen) Einweisung what to do and what not to do und so sind wir drauf los geritten. Wohin? Aufjedenfall richtung Norden zum Ögiy nuur! Nach einigen Stunden im Sattel fühlt man seine Beine recht gut und die Stimme ist auch schon heiser vom ständigen „Shu“ Rufen! Falls wir jemals behauptet haben sollten, dass Reiten Mädchensport ist, nehmen wir das an dieser Stelle  zurück und behaupten das Gegenteil! Habt ihr schon mal nicht richtig gehen können, weil die Beine beinahe ein O formen und man sie nur unter heftigen Schmerzen gerade biegen kann? Hattet ihr schon mal einen wunden Hintern? Nein? Dann verbringt ein paar Tage im mongolisch Sattel mongolischer Pferde! Ach ja, aber wie gesagt: Alles für das werte Hinterteil! 🙂 Aber es fühlt sich einfach nur gut an durch das Nirgendwo zu reiten, keine Menschenseele zu treffen und einfach nur zu genießen, nachzudenken und zu realisieren in was für einem wunderschönen Land man ist! Am Nachmittag erreichten wir einen Fluss, wo wir beschlossen zu campen. Das Wetter war einfach wunderbar! Die Sonne schien, wir waren völlig K.O., haben das Wasser auf den Gaskocher gestellt, unsere Zelte aufgebaut und einfach nur noch den Abend genossen! Danke Gott, für Momente, wie diese! Wir gingen rechtzeitig zu Bett, denn für den nächsten Tag standen wieder 6 Stunden Pferderücken auf dem Plan! Und das mit wundem Hintern & Co.!!! Itay versprach uns aus Erfahrung, dass der zweite Tag besser werden würde, wir konnten es uns noch nicht vorstellen, aber ja, wir glauben ihm mal einfach…

Tag 6
Bei ein wenig Regen erwachten wir an diesem Morgen und hatten, wie Itay schon vorausgesagt hatte kaum Muskelkater! Alle waren erstaunt und jeder freute sich auf den letzten Part des Reitens und keiner von uns ahnte, dass wir 7 Stunden lang im Sattel hängen würden und uns zum Ende des Trips einfach nur noch wünschten von diesem Gaul zu steigen und in den See gehen zu können, um sich zu waschen und die Schmerzen zu vergessen! Wie wir am Öigy Lake angekommen sind, weiß keiner so genau, wir waren schon wie in Trance, eins mit dem Sattel und mit den damit verbundenen Schmerzen! Aber auch an diesem Tag war die Natur, die wir gesehen haben einfach unbeschreiblich! Und diese auf dem Rücken eines Pferdes zu erleben war ein einmaliges Erlebnis, das wir jedem nur empfehlen können, der Wild Osten liebt und abenteuerlustig ist! Am Öigy Lake angekommen bauten wir in Trance unsere Zelte auf und die nächste Tragödie ließ nicht lange auf sich warten: Ein Native war am Fischen, schenkte uns seine Beute (ein Hecht, zwei Barsche) und Artis wollte den Fisch gleich frisch zum Abend zubereiten. Da stellte er fest, dass sein heiß geliebtes, oft benutztes, wirklich sehr geliebtes Leatherman Wave nicht an Ort und Stelle war! Alle Rucksäcke, Taschen, Jacken, Hosen und wunden Ritzen wurden leider erfolglos durchkämmt! Es ist und bleibt verloren in der Mongolei. Und ich (Artis) bleibe in der Hoffnung, dass es irgendein Mongole, der es dringend benötigt, findet!

Den nächsten Tag blieben wir am See und genossen den mongolischen Sommer in vollen Zügen! Die Sonne brannte uns auf den Pelz, der See lud zum Baden ein und abends wurde beim Lagerfeuer (JA, Itay hat in der Steppe ein paar Hölzer gefunden!) Fisch gegessen, gesungen, erzählt, der gigantische Sternenhimmel inkl. Milky Way bestaunt und einfach nur genossen, genossen und genossen, bevor wir uns am nächsten Tag wieder auf den langen, rumpeligen Weg nach Ulan Bator machten… Und nun sitzen wir im Hostel gut gesättigt, umgeben von wunderbaren Freunden, lassen die letzten Tage Revue passieren und planen den nächsten Trip für die nächsten Tage. Danke Gott, für diese Erfahrungen, die einfach unbeschreibliche Natur, die netten Menschen, die wir hier kennengelernt haben und dafür, dass wir DICH erleben, jeden Tag auf’s Neue!

Ach ja und zur Überschrift: Wir hoffen, ihr erkennt uns wieder, wenn wir nach Hause kommen, denn alle Tätigkeiten, die wir hier vornehmen sind sowas für unseren Hintern, dass dieser knackiger und knackiger wird 😉 Unsere Beine sind durchtrainiert und nach dem Wandern und Reiten mindestens doppelt so dick, wie vorher 😉 Und Artis‘ Bauchumpfang schrumpft von Tag zu Tag. Renate wartet noch sehnsüchtig darauf auch endlich mal ein neues Loch in den Gürtel stechen zu können! 🙂 Баяртай!

Alles für’n Arsch

Wüste, Berge, Hügel, Pferde, Kamele, Esel, Flüsse unendliche Weiten, kein Mensch weit und breit, keine Dusche, kalte Nächte und ein paar aufgeriebene Ärsche. Aber fangen wir mal vom Anfang an: Nach unserem Aufenthalt in Russland sind wir mit der Transmongolischen Bummelbahn nach Ulan Bator in die Mongolei. Die Fahrt mit dem Zug war ganz easy, wir waren es ja schon gewohnt und doch hat sich die Fahrt ein wenig hingezogen, da wir an der Grenze ca. 10 Stunden verbracht haben (insgesamt sind wir 33 Stunden gefahren). Aber es war gut zu ertragen, weil der Zug zu 100% mit Touris bestand und jeder so seine Reisegeschichten und Erfahrungen hinter sich hat. Es gab einen regen Austausch. In unserem Coupé sind wir zu dritt gewesen, der David aus der Schweiz (23 Jahre junger Kunstgeschichtestudent) hat uns Gesellschaft geleistet. Und wir haben auch zum ersten Mal unsere Kabelbinder benutzt! Was? Warum nimmt man Kabelbinder mit auf eine Weltreise? Bis Dato haben wir es auch nicht gewusst, aber David hat uns von seiner kaputten Brille erzählt, diese wurde fix mit einem Kabelbinder und dem Leatherman Wave repariert. Später trafen wir David wieder, in Ulan Bator und siehe da die Brille hielt immer noch!

Tag 1
Erst mal die Lage checken. Irgendwie waren wir total müde, kein Wunder, es ist auch 6 Uhr in der Früh! Wir wurden vom Bahnhof abgeholt mit einer Hand voll Backpacker aus Frankreich. Unser Hostel namens „Golden Gobi“ ist wirklich super. Ein reiner Backpacker-Treff und Überwiegend Franzosen. Mist, warum können wir kein Französisch? Wir mussten bis 11 Uhr auf unser Zimmer warten. Die Gäste haben noch in unserem Bett geschlafen. Ok kein Problem. Wir haben ein kleines Frühstück bekommen und in der Zeit hat uns ein junger Mann angesprochen: Habt ihr Bock mit mir ne mehrtägige Tour zu starten? Ich hab vor nach … zu fahren und dann…. . Ok Stop! Wie heißt du? Ich heiße Itay. Ok Itay,we don’t know, we just arrived and are waiting for our room! Wir waren müde und in dem Moment auch schon irgendwie genervt. Ok, RenArtis ihr müsst euch zusammenreißen! Auf dem Tisch lag eine Mappe mit organisierten Touren. Eine 11-tägige Tour hätte uns p.P. gute 1000€ gekostet. WHAT???Das hat uns erst mal aus den Socken gehauen. Wir sind erst mal raus und haben unsere Suche nach einem Bankautomaten gestartet. In der Zeit haben wir erst mal die Lage gecheckt und sind während dessen einmal zurück zum Hostel. Und da war er wieder, Itay. Er hat schon seit 3 Tagen auf Leute, wie uns gewartet: Die abenteuerlustig sind und low budged unterwegs sind. Seltsam da sind so viele abenteuerlustige Backpacker im Hostel und keiner will mit ihm mit? Er hat mittlerweile schon eine Anhängerin gefunden, die Michelle und beide haben uns nun überredet mit ihnen mitzukommen! Zu Itay: Er ist 23, Israeli durch und durch, war 3 Jahre bei der Army, hat 5 Tage von einer Ziege leben können, lebte 1 Jahr in der Wüste und liebt alles, was nach Adventure riecht. Aus seinen Wanderstöcken hat er kurzerhand eine Angel gebastelt und tatsächlich was gefangen! Unser Mann, wenn es ums Überleben in der Wildnis und ums Resteessen geht!! 😉 Michelle, unsere Schweizermama, 32, Professorin aus Zürich, die unter anderem in einer Band singt, als Teeny für die Schweiz Hürden gelaufen ist und jetzt mit uns die Mongolei bereist! Tolle Frau, sehr sympatisch und sehr taff und erfahren! Und dann noch wir Greenhorns! Yes! Mongolei auf eigene Faust und wenig Geld. Wir sind dabei! Ein kleiner Trekking-Plan und eine Liste mit Essen. Michelle hat einen Fahrer und ein Zelt für uns organisiert, wir haben 2 Schlaftüten gemietet und es kann los gehen! Wir sind sehr gespannt!

Tag 2
Wir haben geradeso ausgeschlafen und sind mit dem Auto morgens los gefahren. Das Auto wurde picke packe vollgepackt und wir sind gute 5 Stunden zu unserem ersten Punkt gefahren. Wo der genau ist? Mitten im Nirgendwo neben einem Wüstenstreifen! Es ist wirklich der Wahnsinn! Alles ist grün, Steppe all around und mitten drin erstreckt sich über einige Kilometer einfach nur Sand, Sand, Sand! Vom Berg aus sieht es aus, wie aufgeschütteter Strand, aber wenn man mitten drin ist und die vielen Skelette sieht, dann fühlt es sich doch schon ein wenig an wie Wüste…  Es ist auf jeden Fall ein sehr einsamer Ort umgeben von mongolischen Nomaden (40% der Bevölkerung besteht aus Nomaden). Hier sind wir abseits der Hauptstraße bei einer Familie gelandet, die uns eine Jurte zur Verfügung gestellt hat. Wir haben uns gleich wohl gefühlt. Warum? Der Itay hat den Kinds aus Papier einige Origanifiguren gebastelt und schon sind sie unsere Freunde. Mit den Erwachsenen wurde ein wenig geschnackt auch wenn nur mit Händen und Füßen. Auch übrigens: Wenn ein Mongole dich plötzlich anfällt und dich zum Fall bringen will, dann ist es ein Zeichen dass er mit dir ringen will! 😉 Unbedingt darauf eingehen! Das macht Spaß und hält dich fit! Draußen wurde mit den Kids in der Kackematsche fangen und Ball gespielt, es war einfach schön! Gegen Abend ist der Hausherr in unsere Jurte gekommen (nachdem wir kackendreist in seine Jurte gestürzt sind und den Boden dreckig gemacht haben) und hat uns eine Runde Vodka ausgegeben. Jep! Das ist ein Zeichen dafür, dass sie uns akzeptieren und uns mögen! Na klar wir haben auch beim Feuerholz geholfen. Leider hatte das Wetter nicht ganz so mit gemacht, wir hatten beinahe durchgehend regen und draußen war überall Dreck, Ziegenkacke, Kuhkacke und Pferdekacke und hinter der ersten Sanddüne auch die Menschenkacke. Das ist quasi die Toilette. Aber man kann sich an diese Umstände gewöhnen!

Tag 3
Nach einer erholsamen Nacht sind wir morgens auf eine Hikingtour gestartet. Wir haben dem Fahrer gesagt, dass er sich keine Sorgen machen braucht, da wir nur ne kleine Runde drehen (2 Stunden). Wir sind dann anschließend gute 25 km gewandert. Quer durch einen Wüstenabschnitt über mehrere Hügel und haben gegen Mittag total unterernährt und bis auf die Unterhosen durchnässt ein Camp angetroffen. Im großen Speisesaal wollten wir gerne eine Menükarte haben und ein wenig die Preise checken. Aber wir können mit den Preisen nichts anfangen und die Angestellten ebenso so wenig mit uns, da sie kein Wort Englisch können noch verstehen. Eine Deutsche Reisegruppe hat unsere Lage gecheckt und hat uns ihren Mongolischen Dolmetscher zur Verfügung gestellt, den haben wir im Endeffekt nicht benötigt, denn wir scheinen SO hungrig ausgesehen zu haben, dass die Deutschen uns einige ihrer Lunchpakete zur Verfügung gestellt haben. Vielen herzlichen Dank an unsere Landsleute! Da soll noch mal jemand sagen, die Deutschen seien unfreundlich 😉 Nach der Pause ging die Regenwanderung zum nahegelegenen Kloster weiter (angeblich 2 km). Und nach diesem Kloster, das irgendwie mehr ein Treffpunkt zum Quatschen für Natives und Touris war haben wir unsere Rückreise angebrochen, das war das härteste überhaupt. An einer Stelle haben sich unsere Wege getrennt: Itay und Michelle sind ab durch das sumpfige Gebiet und wir beide haben den etwas trockenen Weg gewählt. Unser Ziel war die Hauptstraße zu erreichen, da wir irgendwie den selben weg zurück wegen dem Regen nicht mehr nehmen konnten. An der Hauptstraße total erschöpft angekommen hat gleich das erste Auto angehalten und gefragt, ob sie uns mitnehmen sollen. Wir scheinen wohl mal wieder SO K.O. ausgesehen zu haben, dass sich die Menschen über uns erbarmt haben und uns helfen wollten. In Englisch und Russisch und mit Händen und Füßen haben wir versucht dem Fahrer und seiner Beifahrerin deutlich zu machen, dass die beiden winzigen Gestalten am Horizont unsere Freunde sind und auch mit müssen.  Die haben es irgendwie verstanden und netterweise die Rückbank für uns 4 frei gemacht und einige Minuten gewartet, sodass wir eine trockene Rückfahrt hatten. Danke an dieser Stelle auch an die sehr netten Mongolen, ihr wart einfach ZU süß! In diesem Moment waren wir einfach nur sehr glücklich, denn an diesem Tag haben wir eine Menge netter Menschen Mitten im Nirgendwo geholfen, dass wir die Schmerzen in den Beinen und unsere Erschöpftheit für einen Moment vergessen haben. Abends in der Jurte angekommen ist der Tag erst mal gelaufen. Es wurde nur noch lecker essen angefertigt, gegessen und zufrieden in’s Bett gegangen. 

Tag 4
Pleiten Pech und Pannen: Unser Auto hatte einen Platten, aber kein Problem. Wir sind irgendwie nach Kharkhorin gekommen. Dort haben wir erst mal nen Horsetrack organisiert, war erst einmal schwierig zu organisieren, da angeblich alle Pferde im Land unterwegs sind. Im Land der Pferde sind alle Pferde schon unterwegs??? Oh no!!! Aber ein guter Mongole hat uns dann irgendwann in sein Jurtencamp abgeholt und wir haben uns da erst mal für eine Nacht in der Jurte niedergelassen. Da unser Fahrer Tuksu unbedingt Mach (Fleisch) essen wollte und uns wohl für vegetarische Touristen gehalten hat, ist Michelle mit ihm mitgegangen und hat ein wenig Fleisch besorgt, an einem Ort, den sie lieber nicht gesehen haben sollte 😉 Wir haben das Fleisch zubereitet und es war erstaunlicher Weise echt gut! Abends saßen wir dann in der Runde und haben uns über den Preis fürs Reiten unterhalten: 55€ pro Tag und pro Person! Was??? Der Preis haut uns um! Itay meint, dass er im Norden der Mongolei für 16€ pro Tag geritten ist. Das ist ein reiner Wucher! Und das nur, weil wir Touristen sind!!! Aber wir sind geduldig bleiben nett und haben uns auf 55€ pro Person und 2 Tage geeinigt. 50% Rabatt! :-D, das war zwar immer noch viel, aber verträglich. Also freuten wir uns einfach nur noch auf das Reiten, denn DAS ist Mongolei!!!

Tag 5
Morgens ging es früh los für uns: Die Pferde waren gesattelt, wir bekamen eine kurze (mit Händen und Füßen) Einweisung what to do and what not to do und so sind wir drauf los geritten. Wohin? Aufjedenfall richtung Norden zum Ögiy nuur! Nach einigen Stunden im Sattel fühlt man seine Beine recht gut und die Stimme ist auch schon heiser vom ständigen „Shu“ Rufen! Falls wir jemals behauptet haben sollten, dass Reiten Mädchensport ist, nehmen wir das an dieser Stelle  zurück und behaupten das Gegenteil! Habt ihr schon mal nicht richtig gehen können, weil die Beine beinahe ein O formen und man sie nur unter heftigen Schmerzen gerade biegen kann? Hattet ihr schon mal einen wunden Hintern? Nein? Dann verbringt ein paar Tage im mongolisch Sattel mongolischer Pferde! Ach ja, aber wie gesagt: Alles für das werte Hinterteil! 🙂 Aber es fühlt sich einfach nur gut an durch das Nirgendwo zu reiten, keine Menschenseele zu treffen und einfach nur zu genießen, nachzudenken und zu realisieren in was für einem wunderschönen Land man ist! Am Nachmittag erreichten wir einen Fluss, wo wir beschlossen zu campen. Das Wetter war einfach wunderbar! Die Sonne schien, wir waren völlig K.O., haben das Wasser auf den Gaskocher gestellt, unsere Zelte aufgebaut und einfach nur noch den Abend genossen! Danke Gott, für Momente, wie diese! Wir gingen rechtzeitig zu Bett, denn für den nächsten Tag standen wieder 6 Stunden Pferderücken auf dem Plan! Und das mit wundem Hintern & Co.!!! Itay versprach uns aus Erfahrung, dass der zweite Tag besser werden würde, wir konnten es uns noch nicht vorstellen, aber ja, wir glauben ihm mal einfach…

Tag 6
Bei ein wenig Regen erwachten wir an diesem Morgen und hatten, wie Itay schon vorausgesagt hatte kaum Muskelkater! Alle waren erstaunt und jeder freute sich auf den letzten Part des Reitens und keiner von uns ahnte, dass wir 7 Stunden lang im Sattel hängen würden und uns zum Ende des Trips einfach nur noch wünschten von diesem Gaul zu steigen und in den See gehen zu können, um sich zu waschen und die Schmerzen zu vergessen! Wie wir am Öigy Lake angekommen sind, weiß keiner so genau, wir waren schon wie in Trance, eins mit dem Sattel und mit den damit verbundenen Schmerzen! Aber auch an diesem Tag war die Natur, die wir gesehen haben einfach unbeschreiblich! Und diese auf dem Rücken eines Pferdes zu erleben war ein einmaliges Erlebnis, das wir jedem nur empfehlen können, der Wild Osten liebt und abenteuerlustig ist! Am Öigy Lake angekommen bauten wir in Trance unsere Zelte auf und die nächste Tragödie ließ nicht lange auf sich warten: Ein Native war am Fischen, schenkte uns seine Beute (ein Hecht, zwei Barsche) und Artis wollte den Fisch gleich frisch zum Abend zubereiten. Da stellte er fest, dass sein heiß geliebtes, oft benutztes, wirklich sehr geliebtes Leatherman Wave nicht an Ort und Stelle war! Alle Rucksäcke, Taschen, Jacken, Hosen und wunden Ritzen wurden leider erfolglos durchkämmt! Es ist und bleibt verloren in der Mongolei. Und ich (Artis) bleibe in der Hoffnung, dass es irgendein Mongole, der es dringend benötigt, findet!

Den nächsten Tag blieben wir am See und genossen den mongolischen Sommer in vollen Zügen! Die Sonne brannte uns auf den Pelz, der See lud zum Baden ein und abends wurde beim Lagerfeuer (JA, Itay hat in der Steppe ein paar Hölzer gefunden!) Fisch gegessen, gesungen, erzählt, der gigantische Sternenhimmel inkl. Milky Way bestaunt und einfach nur genossen, genossen und genossen, bevor wir uns am nächsten Tag wieder auf den langen, rumpeligen Weg nach Ulan Bator machten… Und nun sitzen wir im Hostel gut gesättigt, umgeben von wunderbaren Freunden, lassen die letzten Tage Revue passieren und planen den nächsten Trip für die nächsten Tage. Danke Gott, für diese Erfahrungen, die einfach unbeschreibliche Natur, die netten Menschen, die wir hier kennengelernt haben und dafür, dass wir DICH erleben, jeden Tag auf’s Neue!

Ach ja und zur Überschrift: Wir hoffen, ihr erkennt uns wieder, wenn wir nach Hause kommen, denn alle Tätigkeiten, die wir hier vornehmen sind sowas für unseren Hintern, dass dieser knackiger und knackiger wird 😉 Unsere Beine sind durchtrainiert und nach dem Wandern und Reiten mindestens doppelt so dick, wie vorher 😉 Und Artis‘ Bauchumpfang schrumpft von Tag zu Tag. Renate wartet noch sehnsüchtig darauf auch endlich mal ein neues Loch in den Gürtel stechen zu können! 🙂 Баяртай!

4 Kommentare

Markus

26 Juli , 2012 at 11:12 am

Kannst du mir bitte das Bild von dem Kamel in der größten Auflösung schicken? mfg markus

Андрей

26 Juli , 2012 at 4:27 am

фото очень красивые получились....

Konrad

25 Juli , 2012 at 9:35 am

Guter Bericht :-) Und wenn die Beine und der Arsch weh tun, habt Ihr alles richtig gemacht. Jaansteé!! Freue mich auf Eure nächsten Erlebnisse ... Sonnige Grüße aus Moabit

RenArtis

25 Juli , 2012 at 1:30 pm

Und verregnete Grüße aus der Mongolei/Ulaanbatoor! Der Regen macht einiges schwieriger.

Du hast etwas auf dem Herzen?

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