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Das Leben langsam in vollen Zügen genießen
Deutschland

Das Leben langsam in vollen Zügen genießen

 

Eines frühen Morgens, als die Bundesrepublik noch tief und fest schnarchte, machten wir uns wieder auf den Weg.

In der nördlichsten Stadt NRW’s flackerte hier und da schwaches Licht durch die Fenster. Der eine oder andere kam gerade von der Nachtschicht, oder musste raus zur Frühschicht – Wochenende. Aus den Badezimmern hörte man vereinzelnd ein tiefes Ziehen aus dem Rachen. Der Nachbar stand im Morgenmantel auf dem Balkon und schmökerte im Halbschlaf seine Zigarette. „Guten Morgen, Herr Nachbar!„, schallte es halb laut durch die dunkle menschenleere Gasse. „Guten Morgen! Wohin geht’s in der Frühe?“ „Zum Bodensee!
Noch ein letztes Mal zog er bedenklich, tief und fest an seinem Glimmstängel und pustete den warmen Rauch in die frische Morgenluft: „Na dann, viel Spaß euch!„, drückte die Zigarette aus, klemmte sich die Zeitung unter seinen Arm und flüchtete wieder in die warme Wohnung.

Rahden – Bünde

Als erste DB- Kunden bestiegen wir schlaftrunken mit unseren beladenden Drahteseln um 6:00 Uhr die leere Bahn. Wir lehnten uns zurück und versuchten ein wenig zu schlafen – die Nacht war kurz. Und uns erwartete ein langer, ein seeeehr langer Tag mit den Beförderern.

1. Unsere Bikes

Bünde – Osnabrück

Lange konnten wir nicht schlafen. Unser erster Umstieg stand bevor. Dieser verlief nahezu reibungslos. Umsteigezeit 4 Minuten auf einem kleinen, überschaulichen Bahnhof. Der Zug wartete bereits auf dem gegenüberliegendem Gleis. Raus und wieder rein. So könnte es den ganzen Tag lang laufen – alle 10 Umstiege. Naiv nahmen wir wieder Plätze ein und schoben unsere gemachten Brötchen zwischen die Kiemen – alles lief wie am Schnürchen – noch.

6. Die Regio

Osnabrück – Münster

Wieder ein Umstieg. Viel Zeit blieb uns nicht und es erwartete uns bereits ein voller Zug. Gerade so quetschten wir uns in den gefüllten Zug und waren erleichtert noch Platz gefunden zu haben. Eine Reihe hinter uns hörten wir gespannt den asozialen Gesprächen zu – wir mussten schmunzeln. Was man sonst nur aus dem Fernsehr kennt, bekommt man hier live zu sehen und zu hören. Auch die Umstände im Zug waren nicht viel besser!

5. Geschäfte im Zug abwickeln

Münster – Duisburg

Münster. Eine Stadt, die für ihre Radler bekannt ist. Doch sie sollten lieber Rad fahren, als mit der Bahn.
Unser nächster Zug wartete exakt 15 Minuten lang auf uns. Wir stiegen ein und belegten sofort die heiß begehrten Fahrradplätze. Es waren insgesamt 4 Plätze frei. Es kamen zwei weitere Räder hinzu und der Platz war zu 100% ausgeschöpft. Jetzt hofften wir, dass niemand mit einem Kinderwagen vorbei kam, denn dann müssten wir leider auf’m Gleis bleiben.

Glücklicherweise kam keine Mutti mit Kinderwagen vorbei, stattdessen zwei weitere verzweifelte Radler. Ihnen wurde der Zutritt vom Schaffner ins Fahrradabteil verweigert!
Wir sind doch kein Gütertransport!„, so der Schaffner zu den DB-Kunden.
So eine bodenlose Frechheit hat niemand erwartet. Wir senkten beschämt unsere Köpfe, um nicht die enttäuschten Blicke der Zurückgebliebenen zu sehen.
Auf den nächsten Haltestationen immer wieder das selbe Bild und ähnlich dumme Sprüche vom Schaffner:

„Ihr kommt hier nicht rein! Ihr sollt Fahrrad fahren!“

15. Angler

Duisburg – Koblenz

Auf halber Strecke kam der Zug plötzlich zum Stillstand. Durch die Lautsprecher plätscherte eine halblaute, heisere Stimme:
Dieser Zug verspätet sich auf unbestimmte Zeit!
Ende der Durchsage.
Die Fußballfans auf dem Weg ins Stadion begannen unangenehm zu werden. Sie nörgelten und fingen an zu pöbeln.
Was meinte der Typ mit unbestimmt?
5 Minuten?
Oder 10?
Vielleicht sogar auch 20 Minuten.
Was machen, wenn das Bier leer ist?
Um halb 11 wurden die letzten Hülsen angerissen und plötzlich ein Jubel im Wagon. Der Zug kam langsam wieder ins Rollen. Doch die Freude währte nicht lange, als der Zug wieder hielt.
Eine weitere schwammige Durchsage:
Wegen einer Verspätung muss uns ein schnellerer Zug überholen. Wir verspäten uns um weitere 5 Minuten!
Wir rechneten: Das machte dann 20 + 5 Minuten Verspätung!

Irgendwann waren wir wieder am Rollen und überquerten die Hohenzollernbrücke in Köln. Für einige Fahrgäste war dieses ein Highlight.
Wofür so viele Schlößer?“ fragte uns etwas vorsichtig ein ausländischer Fahrgast von der Seite, der mit seiner Familie auf dem Weg zur Verwandtschaft war. Seine Kinder waren von den vielen Schlössern begeistert, doch der Vater wusste keine Antwort.
Wir erklärten: „Da schließen viele Paare ihre „ewige Liebe“ zueinander ab und schmeißen anschließend den Schlüssel in den Rhein!
Der Afghane musste schmunzeln. Anscheinend war er schon lang genug in Deutschland, um zu wissen, wohin der Trend eigentlich geht.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass er und seine Familie Kriegsflüchtlinge sind – geflohen aus Afghanistan. Eigentlich gehören sie der Persischen Volksgruppe an, lebten aber schon seit drei Jahren in Deutschland und fühlten sich sehr wohl. Ihre Kids beherrschen die deutsche Sprache besser, als Justin und Chantalle. Und während die Kids vormittags im Kindergarten neue Freundschaften schließen, drücken die Eltern fleißig die Schulbank im Deutschunterricht, erzählt uns der Vater. Er berichtete Stolz dass sie bereits den C2-Kurs erreicht hatten.
Mein Mann schreibt immer Einsen!“ lobt die Frau ihren Mann und zwinkerte ihm rüber. Eine respektable Leistung! Der afghanische Arzt beherrscht mittlerweile 6 Sprachen in Wort und Schrift. Er würde besser deutsch sprechen können, wenn ihn seine Nachbarn einladen würden oder zumindest mit ihm sprechen würden.
Wir merkten, wie gut es ihnen tat, sich mit uns zu unterhalten.

Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir in Koblenz an und mussten uns von unseren neuen Freunden verabschieden.14. Nächster Halt

7. Die DB

Koblenz – Bingen

Unser Anschlusszug war natürlich längst hinter allen sieben Bergen. Unser gesamter Fahrplan verschob sich um eine Stunde. Wir versuchten es positiv zu sehen. Wir hatten dieses Mal mehr Zeit zum Umsteigen und konnten uns ein wenig Mittagessen organisieren.

2. Kaffe und Instandsuppen- Verkäufer

Bingen – Kaiserslautern

Auf dem Weg nach Kaiserslautern wurde es wieder eng. Wie gewohnt: Defekte Toiletten, begrenzte Fahrradmitnahme und mehr Fahrgäste als Platz .
Etliche machten es sich auf dem Boden bequem oder hielten es im Gang geduldig aus.
Irgendwann, während der Fahrt, tauchten zwei, bis an die Zähne mit Schlagstöcken, Handschellen und Tränengas, bewaffnete Typen auf.
Voller Stolz und Arroganz patrouillierten sie in ihren hochglanzpolierten Stiefeln quer durch den Zug, um nach dem Rechten zu sehen. Auf ihren Jacken konnte man groß „POLIZEI“ lesen, als sie sich an uns vorbeischlängelten.
Vor einer Türkisch- kurdischen Familie blieben beiden dann stehen. Die Familie hatte im Eingangsbereich Platz gefunden, da der Zug sonst keinen weiteren Platz mehr bot. Der blonde Bulldozer mit Terminator Haarschnitt verzog keine Mine. Er blieb mit ausgefahrener Brust und hoher Nase vor der Familie stehen.
Und nun Folgendes:
Anstatt seinen Mund aufzumachen, drückte das Beamte auf ein Knöpfchen an seiner Multifunktionstaste mit der POLIZEI- Aufschrift.

Mann konnte eine elektronische verzerrte Stimme wahrnehmen:

„Polizei! Machen Sie den Weg frei!“

Stille im ganzen Wagon.
Niemand regte sich oder zeigte entsetzen. Wir beobachteten stilschweigend das weitere Geschehen, während sich in uns die Fäuste vor Wut ballten.
Bulldozer machte zwei Schritte und blieb wieder stehen: „Passport!
Die Familie wurde langsam nervös und alle versuchten dieses mit einem Lächeln zu unterdrücken. Der Vater hatte alle Pässe in seiner Jackentasche und zückte diese routiniert, als würde man ihn jeden Tag nach den Pässen fragen.
Andere Fahrgäste wurden nicht nach ihren Pässen kontrolliert.

Tiefes Entsetzen machte sich in uns breit. Der Vater machte einen betrübten Eindruck. Wir versuchten die Situation etwas auf zu lockern und knipsten nach diesem Vorfall ein Foto mit der netten Familie.
„Kommen wir jetzt ins Fernsehen?“ fragte die Tochter besorgt.
Nein!“ antworteten wir schmunzelnd „Wir werden nur einen kleinen Bericht über diese Situation auf unserem Blog schreiben!
Warum?“ Fragt sie weiter nach.
Wir wollen kurz darüber berichten wie rassistisch das Deutsche Volk mit seinen Mitbewohnern umgeht!
Macht das mal!„, willigte der Vater ein.

Seit dreizehn Jahren gehören solche Situation zum Alltag der Türkisch- Kurdischen Familie.

3. Eine Kurdisch-Türkische Familie auf dem Weg in die Schweiz

Kaiserslautern – Neustadt

Ein kurzer Blick auf die Uhr: Wir hatten wieder mal genau 7 Minuten Zeit zum Umsteigen.
Die Türen im Zug öffneten sich und auf dem Bahnhof erwartete uns der Teufel höchst persönlich. Eine Hundertschaft hielt die Fußballgemeinschaft des 1. FC Kaiserslautern im Griff.
Während diese lautstark mit Randale ihren Sieg in der Unterführung bejubelte, eilten wir zu unserem nächsten Zug. Auf die letzte Minute kamen wir am Zug an. Als sich die Tür zum Fahrradabteil öffnete, vielen uns ein Dutzend betrunkener Schnapsleichen im Teufelskostüm entgegen. Diese stopften sich wieder zurück, zogen ihre Plauzen ein und die Zugtüren schlossen sich vor unseren Nasen.

Keine Chance! Wir mussten den nächsten Zug nehmen.

4. Dreckige ZügeAls dann schließlich der letzte Teufel abtransportiert wurde, kam auch unser Anschluszug. Und wieder eine verzweifelte Situation am Gleis.
Sie meldete den Behindertentransport ordnungsgemäß und rechtzeitig bei der Bahn an. Doch am Gleis war von Hilfe keine Spur. Die Bahnangestellten waren wahrscheinlich alle in den Urlaub entlassen worden oder hatten Pause. Anders konnten wir es uns nicht erklären.
Mit vereinten Kräften halfen wir nun einer Frau im Rollstuhl in den Zug. Über zwei große Stufen mussten wir das Gefährt samt Person in den Zug hiefen.
Sie musste, so wie wir, beim nächsten Halt umsteigen. Vielleicht würde dort jemand von den Bahnangestellten auf sie warten, um beim Umsteigen zu helfen.

9. Die Kuckusbähnle

Neustadt – Karlsruhe

Am nächsten Umsteigebahnhof angekommen war natürlich, wie erwartet, niemand da, der die Rollstuhfahrerin aus dem Zug helfen konnte. Der Rollstuhlfahrerin und ihrer Begleitung war die Enttäuschung groß ins Gesicht geschrieben. Es war einfach niemand da – Deutsche Bahn eben.
Mit vereinten Kräften trugen wie die Rollstuhlfahrerin aus dem Zug. Mehr konnten wir leider auch nicht tun. Wir mussten selbst zusehen, die Gleise zu wechseln. Umsteigezeit 9 Minuten. Einen Fahrstuhl hatte dieser Bahnhof noch nie gesehen und wir rissen uns die Arme aus den Schultern.

10. Hürden

11. Hürden
Karlsruhe – Radolfzell

Es tat uns weh, die ratlosen Blicke der Rollstuhlfahrerin und ihrer Begleitung zu sehen. Sie haben es nicht geschafft. Ein Gleiswechsel war ohne Bahnpersonal nicht möglich.

In Radofzell angekommen, erwartete uns nur noch ein einziger Umstieg! Der Fahrstuhl war zu klein für Fahrräder und wenn man meinen würde, die Reifenrille am Treppenrand ist für Radfahrer geeignet, so irrt man sich! Denn oft erwartet einen am Ende der Treppe eine tückische Stufe!

12. über Hürden

Radolfzell – Ludwigshafen (Bodensee)

Nach 16 Stunden in der Bumelbahn, quer durch Deutschland erreichten wir im Dunkeln endlich unser Ziel! Weiter wollten wir auf gar keinen Fall mehr fahren. Wir blieben in Ludwigshafen am Bodensee! Wo wir wir schlafen würden? Das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht so genau, denn die Campingplätze hatten eigentlich schon seit über einer Stunde geschlossen. Und zurück? Auf gar keinen Fall mit der Bahn! Wir fahren lieber mit dem Radl nach Hause!

13. Fahrradmitnahme

Das Leben langsam in vollen Zügen genießen
Deutschland

Das Leben langsam in vollen Zügen genießen

 

Eines frühen Morgens, als die Bundesrepublik noch tief und fest schnarchte, machten wir uns wieder auf den Weg.

In der nördlichsten Stadt NRW’s flackerte hier und da schwaches Licht durch die Fenster. Der eine oder andere kam gerade von der Nachtschicht, oder musste raus zur Frühschicht – Wochenende. Aus den Badezimmern hörte man vereinzelnd ein tiefes Ziehen aus dem Rachen. Der Nachbar stand im Morgenmantel auf dem Balkon und schmökerte im Halbschlaf seine Zigarette. „Guten Morgen, Herr Nachbar!„, schallte es halb laut durch die dunkle menschenleere Gasse. „Guten Morgen! Wohin geht’s in der Frühe?“ „Zum Bodensee!
Noch ein letztes Mal zog er bedenklich, tief und fest an seinem Glimmstängel und pustete den warmen Rauch in die frische Morgenluft: „Na dann, viel Spaß euch!„, drückte die Zigarette aus, klemmte sich die Zeitung unter seinen Arm und flüchtete wieder in die warme Wohnung.

Rahden – Bünde

Als erste DB- Kunden bestiegen wir schlaftrunken mit unseren beladenden Drahteseln um 6:00 Uhr die leere Bahn. Wir lehnten uns zurück und versuchten ein wenig zu schlafen – die Nacht war kurz. Und uns erwartete ein langer, ein seeeehr langer Tag mit den Beförderern.

1. Unsere Bikes

Bünde – Osnabrück

Lange konnten wir nicht schlafen. Unser erster Umstieg stand bevor. Dieser verlief nahezu reibungslos. Umsteigezeit 4 Minuten auf einem kleinen, überschaulichen Bahnhof. Der Zug wartete bereits auf dem gegenüberliegendem Gleis. Raus und wieder rein. So könnte es den ganzen Tag lang laufen – alle 10 Umstiege. Naiv nahmen wir wieder Plätze ein und schoben unsere gemachten Brötchen zwischen die Kiemen – alles lief wie am Schnürchen – noch.

6. Die Regio

Osnabrück – Münster

Wieder ein Umstieg. Viel Zeit blieb uns nicht und es erwartete uns bereits ein voller Zug. Gerade so quetschten wir uns in den gefüllten Zug und waren erleichtert noch Platz gefunden zu haben. Eine Reihe hinter uns hörten wir gespannt den asozialen Gesprächen zu – wir mussten schmunzeln. Was man sonst nur aus dem Fernsehr kennt, bekommt man hier live zu sehen und zu hören. Auch die Umstände im Zug waren nicht viel besser!

5. Geschäfte im Zug abwickeln

Münster – Duisburg

Münster. Eine Stadt, die für ihre Radler bekannt ist. Doch sie sollten lieber Rad fahren, als mit der Bahn.
Unser nächster Zug wartete exakt 15 Minuten lang auf uns. Wir stiegen ein und belegten sofort die heiß begehrten Fahrradplätze. Es waren insgesamt 4 Plätze frei. Es kamen zwei weitere Räder hinzu und der Platz war zu 100% ausgeschöpft. Jetzt hofften wir, dass niemand mit einem Kinderwagen vorbei kam, denn dann müssten wir leider auf’m Gleis bleiben.

Glücklicherweise kam keine Mutti mit Kinderwagen vorbei, stattdessen zwei weitere verzweifelte Radler. Ihnen wurde der Zutritt vom Schaffner ins Fahrradabteil verweigert!
Wir sind doch kein Gütertransport!„, so der Schaffner zu den DB-Kunden.
So eine bodenlose Frechheit hat niemand erwartet. Wir senkten beschämt unsere Köpfe, um nicht die enttäuschten Blicke der Zurückgebliebenen zu sehen.
Auf den nächsten Haltestationen immer wieder das selbe Bild und ähnlich dumme Sprüche vom Schaffner:

„Ihr kommt hier nicht rein! Ihr sollt Fahrrad fahren!“

15. Angler

Duisburg – Koblenz

Auf halber Strecke kam der Zug plötzlich zum Stillstand. Durch die Lautsprecher plätscherte eine halblaute, heisere Stimme:
Dieser Zug verspätet sich auf unbestimmte Zeit!
Ende der Durchsage.
Die Fußballfans auf dem Weg ins Stadion begannen unangenehm zu werden. Sie nörgelten und fingen an zu pöbeln.
Was meinte der Typ mit unbestimmt?
5 Minuten?
Oder 10?
Vielleicht sogar auch 20 Minuten.
Was machen, wenn das Bier leer ist?
Um halb 11 wurden die letzten Hülsen angerissen und plötzlich ein Jubel im Wagon. Der Zug kam langsam wieder ins Rollen. Doch die Freude währte nicht lange, als der Zug wieder hielt.
Eine weitere schwammige Durchsage:
Wegen einer Verspätung muss uns ein schnellerer Zug überholen. Wir verspäten uns um weitere 5 Minuten!
Wir rechneten: Das machte dann 20 + 5 Minuten Verspätung!

Irgendwann waren wir wieder am Rollen und überquerten die Hohenzollernbrücke in Köln. Für einige Fahrgäste war dieses ein Highlight.
Wofür so viele Schlößer?“ fragte uns etwas vorsichtig ein ausländischer Fahrgast von der Seite, der mit seiner Familie auf dem Weg zur Verwandtschaft war. Seine Kinder waren von den vielen Schlössern begeistert, doch der Vater wusste keine Antwort.
Wir erklärten: „Da schließen viele Paare ihre „ewige Liebe“ zueinander ab und schmeißen anschließend den Schlüssel in den Rhein!
Der Afghane musste schmunzeln. Anscheinend war er schon lang genug in Deutschland, um zu wissen, wohin der Trend eigentlich geht.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass er und seine Familie Kriegsflüchtlinge sind – geflohen aus Afghanistan. Eigentlich gehören sie der Persischen Volksgruppe an, lebten aber schon seit drei Jahren in Deutschland und fühlten sich sehr wohl. Ihre Kids beherrschen die deutsche Sprache besser, als Justin und Chantalle. Und während die Kids vormittags im Kindergarten neue Freundschaften schließen, drücken die Eltern fleißig die Schulbank im Deutschunterricht, erzählt uns der Vater. Er berichtete Stolz dass sie bereits den C2-Kurs erreicht hatten.
Mein Mann schreibt immer Einsen!“ lobt die Frau ihren Mann und zwinkerte ihm rüber. Eine respektable Leistung! Der afghanische Arzt beherrscht mittlerweile 6 Sprachen in Wort und Schrift. Er würde besser deutsch sprechen können, wenn ihn seine Nachbarn einladen würden oder zumindest mit ihm sprechen würden.
Wir merkten, wie gut es ihnen tat, sich mit uns zu unterhalten.

Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir in Koblenz an und mussten uns von unseren neuen Freunden verabschieden.14. Nächster Halt

7. Die DB

Koblenz – Bingen

Unser Anschlusszug war natürlich längst hinter allen sieben Bergen. Unser gesamter Fahrplan verschob sich um eine Stunde. Wir versuchten es positiv zu sehen. Wir hatten dieses Mal mehr Zeit zum Umsteigen und konnten uns ein wenig Mittagessen organisieren.

2. Kaffe und Instandsuppen- Verkäufer

Bingen – Kaiserslautern

Auf dem Weg nach Kaiserslautern wurde es wieder eng. Wie gewohnt: Defekte Toiletten, begrenzte Fahrradmitnahme und mehr Fahrgäste als Platz .
Etliche machten es sich auf dem Boden bequem oder hielten es im Gang geduldig aus.
Irgendwann, während der Fahrt, tauchten zwei, bis an die Zähne mit Schlagstöcken, Handschellen und Tränengas, bewaffnete Typen auf.
Voller Stolz und Arroganz patrouillierten sie in ihren hochglanzpolierten Stiefeln quer durch den Zug, um nach dem Rechten zu sehen. Auf ihren Jacken konnte man groß „POLIZEI“ lesen, als sie sich an uns vorbeischlängelten.
Vor einer Türkisch- kurdischen Familie blieben beiden dann stehen. Die Familie hatte im Eingangsbereich Platz gefunden, da der Zug sonst keinen weiteren Platz mehr bot. Der blonde Bulldozer mit Terminator Haarschnitt verzog keine Mine. Er blieb mit ausgefahrener Brust und hoher Nase vor der Familie stehen.
Und nun Folgendes:
Anstatt seinen Mund aufzumachen, drückte das Beamte auf ein Knöpfchen an seiner Multifunktionstaste mit der POLIZEI- Aufschrift.

Mann konnte eine elektronische verzerrte Stimme wahrnehmen:

„Polizei! Machen Sie den Weg frei!“

Stille im ganzen Wagon.
Niemand regte sich oder zeigte entsetzen. Wir beobachteten stilschweigend das weitere Geschehen, während sich in uns die Fäuste vor Wut ballten.
Bulldozer machte zwei Schritte und blieb wieder stehen: „Passport!
Die Familie wurde langsam nervös und alle versuchten dieses mit einem Lächeln zu unterdrücken. Der Vater hatte alle Pässe in seiner Jackentasche und zückte diese routiniert, als würde man ihn jeden Tag nach den Pässen fragen.
Andere Fahrgäste wurden nicht nach ihren Pässen kontrolliert.

Tiefes Entsetzen machte sich in uns breit. Der Vater machte einen betrübten Eindruck. Wir versuchten die Situation etwas auf zu lockern und knipsten nach diesem Vorfall ein Foto mit der netten Familie.
„Kommen wir jetzt ins Fernsehen?“ fragte die Tochter besorgt.
Nein!“ antworteten wir schmunzelnd „Wir werden nur einen kleinen Bericht über diese Situation auf unserem Blog schreiben!
Warum?“ Fragt sie weiter nach.
Wir wollen kurz darüber berichten wie rassistisch das Deutsche Volk mit seinen Mitbewohnern umgeht!
Macht das mal!„, willigte der Vater ein.

Seit dreizehn Jahren gehören solche Situation zum Alltag der Türkisch- Kurdischen Familie.

3. Eine Kurdisch-Türkische Familie auf dem Weg in die Schweiz

Kaiserslautern – Neustadt

Ein kurzer Blick auf die Uhr: Wir hatten wieder mal genau 7 Minuten Zeit zum Umsteigen.
Die Türen im Zug öffneten sich und auf dem Bahnhof erwartete uns der Teufel höchst persönlich. Eine Hundertschaft hielt die Fußballgemeinschaft des 1. FC Kaiserslautern im Griff.
Während diese lautstark mit Randale ihren Sieg in der Unterführung bejubelte, eilten wir zu unserem nächsten Zug. Auf die letzte Minute kamen wir am Zug an. Als sich die Tür zum Fahrradabteil öffnete, vielen uns ein Dutzend betrunkener Schnapsleichen im Teufelskostüm entgegen. Diese stopften sich wieder zurück, zogen ihre Plauzen ein und die Zugtüren schlossen sich vor unseren Nasen.

Keine Chance! Wir mussten den nächsten Zug nehmen.

4. Dreckige ZügeAls dann schließlich der letzte Teufel abtransportiert wurde, kam auch unser Anschluszug. Und wieder eine verzweifelte Situation am Gleis.
Sie meldete den Behindertentransport ordnungsgemäß und rechtzeitig bei der Bahn an. Doch am Gleis war von Hilfe keine Spur. Die Bahnangestellten waren wahrscheinlich alle in den Urlaub entlassen worden oder hatten Pause. Anders konnten wir es uns nicht erklären.
Mit vereinten Kräften halfen wir nun einer Frau im Rollstuhl in den Zug. Über zwei große Stufen mussten wir das Gefährt samt Person in den Zug hiefen.
Sie musste, so wie wir, beim nächsten Halt umsteigen. Vielleicht würde dort jemand von den Bahnangestellten auf sie warten, um beim Umsteigen zu helfen.

9. Die Kuckusbähnle

Neustadt – Karlsruhe

Am nächsten Umsteigebahnhof angekommen war natürlich, wie erwartet, niemand da, der die Rollstuhfahrerin aus dem Zug helfen konnte. Der Rollstuhlfahrerin und ihrer Begleitung war die Enttäuschung groß ins Gesicht geschrieben. Es war einfach niemand da – Deutsche Bahn eben.
Mit vereinten Kräften trugen wie die Rollstuhlfahrerin aus dem Zug. Mehr konnten wir leider auch nicht tun. Wir mussten selbst zusehen, die Gleise zu wechseln. Umsteigezeit 9 Minuten. Einen Fahrstuhl hatte dieser Bahnhof noch nie gesehen und wir rissen uns die Arme aus den Schultern.

10. Hürden

11. Hürden
Karlsruhe – Radolfzell

Es tat uns weh, die ratlosen Blicke der Rollstuhlfahrerin und ihrer Begleitung zu sehen. Sie haben es nicht geschafft. Ein Gleiswechsel war ohne Bahnpersonal nicht möglich.

In Radofzell angekommen, erwartete uns nur noch ein einziger Umstieg! Der Fahrstuhl war zu klein für Fahrräder und wenn man meinen würde, die Reifenrille am Treppenrand ist für Radfahrer geeignet, so irrt man sich! Denn oft erwartet einen am Ende der Treppe eine tückische Stufe!

12. über Hürden

Radolfzell – Ludwigshafen (Bodensee)

Nach 16 Stunden in der Bumelbahn, quer durch Deutschland erreichten wir im Dunkeln endlich unser Ziel! Weiter wollten wir auf gar keinen Fall mehr fahren. Wir blieben in Ludwigshafen am Bodensee! Wo wir wir schlafen würden? Das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht so genau, denn die Campingplätze hatten eigentlich schon seit über einer Stunde geschlossen. Und zurück? Auf gar keinen Fall mit der Bahn! Wir fahren lieber mit dem Radl nach Hause!

13. Fahrradmitnahme

2 Kommentare

Torsten

25 September , 2013 at 4:35 pm

Hi, das wäre für euch viel entspannter gewesen, hättet ihr nicht nur Regionalzüge genommen. Klar, das kostet dann unter Umständen mehr als nen Wochenendticket, man ist aber schneller, es ist entspannter und zumeist ist man dann auch von rumpöbelnden Fußballfans verschont. Die Dauer der Bahnfahrt könnt ihr also nicht wirklich der Bahn vorwerfen. Rahden - Ludwigshafen am Bodensee wäre mit Zügen des Fernverkehrs auch mit 3-4 x umsteigen und ner Fahrtdauer von9:17 - 10:19 h:min möglich gewesen. Ich fahre gerne und viel mit der Bahn, gerade auch lange Strecken. Ich käme bei so einer Strecke aber nie auf die Idee sie nur mit Zügen des Nahverkehrs absolvieren zu wollen.

RenArtis

25 September , 2013 at 7:17 pm

Hi Torsten! Über diese Option haben wir natürlich gedacht und auch versucht in Erwägung zu ziehen. Es blieb uns aber keine andere Wahl! Wir hatten unsere Fahrräder dabei! Und die Züge des Fernverkehrs haben lediglich 4 Stellplätze die bereits Monate vorher restlos ausgebucht sind!

Du hast etwas auf dem Herzen?

Bist du höflich und nett,
wird deine Email-Adresse nicht veröffentlicht!