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Was kostet die Welt?
Deutschland

Was kostet die Welt?

Wieder zu Hause. Auch wenn dieses nur angemietet ist, immerhin unsere eigenen vier Wänden. Sie sind frisch gestrichen und haben bereits erste Gebrauchspuren. Zum Frühstück wird das Omelette nicht mehr gebracht, es will jetzt von uns persönlich gebraten werden – etwas, woran wir uns noch gewöhnen müssen. Der Kaffeeautomat ist ausgepackt und die Ikea-Möbel beinahe vollständig. Nur das Sofa, das sollte die Tage geliefert werden – Heilig Abend (Anm. d. Spedition: Lieferung Anfang Februar 2014) Auf jeden Fall sind wir zu Hause!

Auf der Straße treffen wir immer wieder auf bekannte Gesichter und werden mit Fragen über unsere vergangene Reise überschüttet. Wir wollen eigentlich voran kommen, nach vorne schauen und die Zukunft planen. Aber wir werden immer wieder an unsere unvergessliche Zeit unterwegs erinnert.

Was hat euch die Reise gekostet?

Diese Frage, man hört sie oft! Doch ist es nicht so, dass man über Geld nicht spricht? Geld hat man, oder etwa nicht? Zumindest hatten wir es. Ein Jahr lang haben wir es vergnügt auf Reisen ausgegeben, für notwendige Dinge, Kleinigkeiten und Unnützes. Und jetzt? Jetzt wollen viele wissen, was uns die Reise wirklich gekostet hat.

Mongolische Tögrög

Also: Fangen wir mal von vorne an! Wie kommt man eigentlich an so viel Geld, um ein Jahr lang sorgenlos in aller Welt leben zu können? Die Antwort liegt klar auf der Hand: Ein im Garten am Zaun angebundener, Gold scheißender Esel!

Wille

Aber jetzt im Ernst! Es hat uns einen eisernen Willen gekostet, denn es ist leicht gesagt: „Wir gehen auf Weltreise!“ Schnell holte die Banalität des Alltags einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Wohnung, Job, Karriere, Chef und Familie fanden die romantische Idee der Weltreise klasse. Aber auch nur für den ersten Augenblick. „Muss das unbedingt jetzt sein? Denkt an eure Zukunft. Lücke im Lebenslauf! So einen coolen Job wirst du nie wieder finden. Wo wollt ihr wohnen, wenn ihr wieder zurück seid? So kannst du keine Kariere machen.“ STOPP!
Wir sind nicht scharf auf Karriere und im Lebenslauf wird schon keine Lücke entstehen, macht mal keinen trouble! Wir wollen einfach nur auf Weltreise gehen! Was danach kommt, werden wir sehen.

Indonesische Moneten

Koste, was es wolle?

Doch muss der Wille so stark sein, dass man sogar über Leichen geht? Was ist, wenn einer deiner Liebsten krank wird – sterbenskrank. Diese Frage überholte uns eines Tages, kurz vor Start.Wir mussten uns bremsen in unserem Vorhaben. Unserem Entschluss verpassten wir eine neue Definition. Die liebe Oma war schwer krank und wir wollten den Gedanken nicht loslassen, sie nach einem Jahr auf Reise nicht mehr sehen zu können. Doch sie lies uns ruhigen Gewissens gehen. Und eines sei vorab zu erwähnen: Sie hat das Jahr auch ohne uns gut überstanden.

Auch die eigenen Eltern sind nicht besonders fit. Doch sie unterstützten uns voll und ganz in unserem Vorhaben. Dafür waren und sind wir ihnen bis heute immer noch sehr dankbar.

Und was ist mit all den Freunden? Was ist, wenn sie uns plötzlich brauchen? Was wenn einer von ihnen… Wir wollen den Gedanken nicht ausmalen! An dieser Stelle wurde uns klar: Koste es, was es wolle: im Notfall brechen wir unsere Reise ab und fahren auf dem schnellstmöglichen Weg nach Hause: Dorthin, wo wir benötigt werden.

Glücks Peso

Schweiß

Um wieder auf das Geld zu kommen: Die Kohle für unser Projekt kam natürlich nicht von allein. 2 1/2 Jahre lang haben wir gerackert und Schweiß vergossen. Trödelmärkte, Haushaltsauflösung bis hin zum Nebenjob im Pferdestall. All dieses neben unseren Vollzeitjobs und Verpflichtungen. Und letzten Endes lebten wir einige Monate lang im Wohnwagen wie Zigeuner mit enger geschnalltem Gürtel. Und trotzdem waren wir glücklich und mussten im Endeffekt auf nichts verzichten: Kino, Kurzurlaub oder fein ausgehen. Fast alles war noch im Budget drin!

RenateArtis beim Frühstück

Mut

Der Tag der Wahrheit.
Mit einem Dreizeiller in der Hand vor dem Büro des Löwen.
-KÜNDIGUNG-
Tief schlucken. An die schöne, finanziell sorgenfreie Zeit denken, leise anklopfen, selbstbewusst den Raum betreten und die Reise Dingfest machen. „Herr Lehn, wir bedauern sehr, dass sie unser Unternehmen verlassen wollen! Doch wenn nicht jetzt, wann dann? Genießen sie die Reise!“
Gezwungener Smalltalk über die Arbeit und anschließend ein feuchter Händedruck für die jahrelange Zusammenarbeit. Das war’s.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Es kostet eine ordentliche Portion Mut, den Job an den Nagel zu hängen und dabei trotzdem mutig voraus zu schauen!

Nerven

Als es dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich los ging, konnten wir das hart erarbeitete Geld in den verschiedensten Währungen dieser Welt ausgeben. Mal zahlten wir zu viel und mal zu wenig.

Und eine Währung blieb International. Nicht selten bezahlten wir mit unseren Nerven. Kein deutsches Frühstück, Betrügereien, Diebstahl, lange auf den Bus warten, lange Busfahrten, verarscht werden, dreckige Toiletten oder gar keine Toiletten, Hitze, Backpacker, Heimweh, ausgebuchte Unterkünfte, klapprige Billigflüge, Piloten auf Methylamphetamin, zickige Partner(in), dreckige Grenzstädte, korrupte Zollbeamte, laute Großstädte und krasse Gegensätze wie Manila z.B.

All das zerrt an den Nerven. Und manchmal, da will man einfach nach Hause, weil die Nerven es nicht mehr aushalten. Man ist ausgelaugt und kaputt. Gerade an Tagen, an denen man in Eile ist, weil man getrödelt hatte und man meinte alle Zeit der Welt zu haben. An solchen Tagen sitzt man dann stundenlang in irgendwelchen klapprigen Bussen auf dem Weg zur Grenze, um schweren Herzens das Land zu verlassen. Das ablaufende Visum sitzt im Nacken und die Klimanlage über deinem Kopf gibt alles, um die Temperaturen im Bus arktisch zu halten. Und irgendwann spät abends, liegst du bei fremden Menschen in einem Hinterzimmer auf dem Bett. Der wackellige, rostige Deckenventilator rührt in der schwülen Luft herum und du denkst: „So habe ich mir meinen Geburtstag nicht vorgestellt!“

Philippinische Pesos

Gesundheit

Auch mussten wir mit unserer Gesundheit bezahlen. So wie ich, Artis, in Indonesien. Es war an einem sonnigen Tag. Wir fuhren wir mit einem Boot und einer handvoll Tauchern raus. Wir hatten einige Tauchgänge vor uns.

Am Morgen hatte ich mit meinem Magen Probleme. Wahrscheinlich etwas falsches gegessen. Mein Magen krempelte sich mehrere Male um, doch ich war naiv genug, die Tauchgänge mitnehmen zu können und stieg mit ins Boot. Was ich nicht ahnte: Das Desaster war nahezu vorprogrammiert.

Kurz vor dem ersten Tauchgang bekam ich weiche Knie. Irgendetwas in mir sagte: Bleib auf dem Boot! Ich blieb natürlich wiederwillig auf dem Boot. Und was nun folgt, hätte ich für kein Geld der Welt unter Wasser erleben wollen!

Während die anderen den Meeresboden untersuchten, wurde mir noch schlechter. „Bist du vielleicht seekrank?“ Das kleine Boot schaukelte auf den Wellen hin und her und der Bootsmann wollte mich motivieren eine Runde zu schwimmen. „Das nimmt dir die Übelkeit, ich mach das auch wenn mir schlecht wird.“ Das einzige, zu dem ich im Stande gewesen war, war mich zu übergeben und lehnte mich erneut über das Steuerbord.

Es muss eine halbe Ewigkeit vergangen sein, bis die Gruppe einige hundert Meter vor uns wieder auftauchte. Während der Bootsmann sie einsammelte, spürte ich wie plötzlich meine Beine unter mir wegknickten. Ich legte mich hin. „Meine Beine!„, winselte ich vor mir her. Ich konnte sie nicht spüren! Wie gelähmt lag ich auf dem Boden des Bootes. Plötzlich prickelte es im ganzen Körper. Es fühlte sich an, als würde eine ganze Ameisenarmee durch meinen Körper marschieren. Und dann mein Magen, er fühlte sich so taub an. Ein seltsames und noch nie erlebtes Gefühl. Und von einem Moment auf den nächsten konnte ich meinen Körper nicht mehr manövrieren. Ich lag da wie gelähmt.

Ich bekam Panik. Wollte etwas unternehmen. Doch ich konnte nicht. irgendjemand legte mich auf die Seite – wahrscheinlich mein Freund. Ich hörte Stimmen: „Stabile Lage! Der Junge muss in die stabile Lage!“ Es war mir peinlich, dass plötzlich alle um mich herum waren. Ich wollte sagen, dass es mir gut geht. Aber das konnte ich nicht mehr. Meine Zunge hing wie ein labbriger Toast aus meinem Mund heraus. Ich lag völlig hilflos da auf dem Boden. Meine Hände haben sich spastisch eingerollt. Mein Körper war außer Gefecht.

Das erste mal auf dieser Reise rollten mir Tränen aus den Augen. Ich hatte Angst. Ehrlich gesagt: Ich hatte verdammte Todesangst! Meine Frau stand tapfer an meiner Seite und hat Stärke bewiesen. Und dann ganz langsam, bewegten sich Bilder vor meinem innerlichen Auge.

Ich öffnete meine Augen. Ich erkannte eine Bambushütte. Der Inselarzt sprach gerade mit meiner Frau. „Noch ein wenig mehr, und seine inneren Organe hätten im Dominoeffekt den Geist aufgegeben.Dehydriert. Beinahe hätte ich mit meiner Gesundheit bezahlen müssen. Aber ab dem Zeitpunkt wurde vorgesorgt. Wasser! Mehr Wasser! Da wollen wir mal nicht geizen.

Der Bootsführer mein Lebensretter

Aber jetzt mal im ernst! Was hat uns die Reise gekostet?

Jemand sagte mal: „Auf Weltreise habe ich weniger ausgegeben, als ein Bundesbürger, der Hartz IV bezieht.“ Zugegeben – Das ist eine reife Leistung! Wir haben wohl ein wenig mehr ausgegeben. Etwa 20.000€! Und wer es genauer wissen will, der kann gerne eine mühevoll geführte Exceltabelle mit jeder einzelnen Ausgabe bekommen. Vom Flug nach Hause bis hin zum illegal gekauften Kaugummi in Singapur. Jeder Penny wurde penibel notiert. Und jetzt, wo wir in unserer Bilanz blättern, können wir sagen: Jeder einzelne Penny war’s wert!

Und was habt ihr nun davon?

„Junge, ne ganze Stange Geld ist das!“ Wird der eine oder andere sagen. Mag wohl sein, haben auch dafür gearbeitet! Doch in Wirklichkeit ist so eine Reise unbezahlbar! Wir haben mehr als wir gezahlt haben bekommen: Erfahrungen, Bilder, Emotionen, Menschen, Kulturen und Landschaften. Unbezahlbar! Da sind 20.000 € Peanuts!

Und was wir nun davon haben?

Fernweh!

Wir träumen weiterBis demnächst! 

Was kostet die Welt?
Deutschland

Was kostet die Welt?

Wieder zu Hause. Auch wenn dieses nur angemietet ist, immerhin unsere eigenen vier Wänden. Sie sind frisch gestrichen und haben bereits erste Gebrauchspuren. Zum Frühstück wird das Omelette nicht mehr gebracht, es will jetzt von uns persönlich gebraten werden – etwas, woran wir uns noch gewöhnen müssen. Der Kaffeeautomat ist ausgepackt und die Ikea-Möbel beinahe vollständig. Nur das Sofa, das sollte die Tage geliefert werden – Heilig Abend (Anm. d. Spedition: Lieferung Anfang Februar 2014) Auf jeden Fall sind wir zu Hause!

Auf der Straße treffen wir immer wieder auf bekannte Gesichter und werden mit Fragen über unsere vergangene Reise überschüttet. Wir wollen eigentlich voran kommen, nach vorne schauen und die Zukunft planen. Aber wir werden immer wieder an unsere unvergessliche Zeit unterwegs erinnert.

Was hat euch die Reise gekostet?

Diese Frage, man hört sie oft! Doch ist es nicht so, dass man über Geld nicht spricht? Geld hat man, oder etwa nicht? Zumindest hatten wir es. Ein Jahr lang haben wir es vergnügt auf Reisen ausgegeben, für notwendige Dinge, Kleinigkeiten und Unnützes. Und jetzt? Jetzt wollen viele wissen, was uns die Reise wirklich gekostet hat.

Mongolische Tögrög

Also: Fangen wir mal von vorne an! Wie kommt man eigentlich an so viel Geld, um ein Jahr lang sorgenlos in aller Welt leben zu können? Die Antwort liegt klar auf der Hand: Ein im Garten am Zaun angebundener, Gold scheißender Esel!

Wille

Aber jetzt im Ernst! Es hat uns einen eisernen Willen gekostet, denn es ist leicht gesagt: „Wir gehen auf Weltreise!“ Schnell holte die Banalität des Alltags einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Wohnung, Job, Karriere, Chef und Familie fanden die romantische Idee der Weltreise klasse. Aber auch nur für den ersten Augenblick. „Muss das unbedingt jetzt sein? Denkt an eure Zukunft. Lücke im Lebenslauf! So einen coolen Job wirst du nie wieder finden. Wo wollt ihr wohnen, wenn ihr wieder zurück seid? So kannst du keine Kariere machen.“ STOPP!
Wir sind nicht scharf auf Karriere und im Lebenslauf wird schon keine Lücke entstehen, macht mal keinen trouble! Wir wollen einfach nur auf Weltreise gehen! Was danach kommt, werden wir sehen.

Indonesische Moneten

Koste, was es wolle?

Doch muss der Wille so stark sein, dass man sogar über Leichen geht? Was ist, wenn einer deiner Liebsten krank wird – sterbenskrank. Diese Frage überholte uns eines Tages, kurz vor Start.Wir mussten uns bremsen in unserem Vorhaben. Unserem Entschluss verpassten wir eine neue Definition. Die liebe Oma war schwer krank und wir wollten den Gedanken nicht loslassen, sie nach einem Jahr auf Reise nicht mehr sehen zu können. Doch sie lies uns ruhigen Gewissens gehen. Und eines sei vorab zu erwähnen: Sie hat das Jahr auch ohne uns gut überstanden.

Auch die eigenen Eltern sind nicht besonders fit. Doch sie unterstützten uns voll und ganz in unserem Vorhaben. Dafür waren und sind wir ihnen bis heute immer noch sehr dankbar.

Und was ist mit all den Freunden? Was ist, wenn sie uns plötzlich brauchen? Was wenn einer von ihnen… Wir wollen den Gedanken nicht ausmalen! An dieser Stelle wurde uns klar: Koste es, was es wolle: im Notfall brechen wir unsere Reise ab und fahren auf dem schnellstmöglichen Weg nach Hause: Dorthin, wo wir benötigt werden.

Glücks Peso

Schweiß

Um wieder auf das Geld zu kommen: Die Kohle für unser Projekt kam natürlich nicht von allein. 2 1/2 Jahre lang haben wir gerackert und Schweiß vergossen. Trödelmärkte, Haushaltsauflösung bis hin zum Nebenjob im Pferdestall. All dieses neben unseren Vollzeitjobs und Verpflichtungen. Und letzten Endes lebten wir einige Monate lang im Wohnwagen wie Zigeuner mit enger geschnalltem Gürtel. Und trotzdem waren wir glücklich und mussten im Endeffekt auf nichts verzichten: Kino, Kurzurlaub oder fein ausgehen. Fast alles war noch im Budget drin!

RenateArtis beim Frühstück

Mut

Der Tag der Wahrheit.
Mit einem Dreizeiller in der Hand vor dem Büro des Löwen.
-KÜNDIGUNG-
Tief schlucken. An die schöne, finanziell sorgenfreie Zeit denken, leise anklopfen, selbstbewusst den Raum betreten und die Reise Dingfest machen. „Herr Lehn, wir bedauern sehr, dass sie unser Unternehmen verlassen wollen! Doch wenn nicht jetzt, wann dann? Genießen sie die Reise!“
Gezwungener Smalltalk über die Arbeit und anschließend ein feuchter Händedruck für die jahrelange Zusammenarbeit. Das war’s.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Es kostet eine ordentliche Portion Mut, den Job an den Nagel zu hängen und dabei trotzdem mutig voraus zu schauen!

Nerven

Als es dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich los ging, konnten wir das hart erarbeitete Geld in den verschiedensten Währungen dieser Welt ausgeben. Mal zahlten wir zu viel und mal zu wenig.

Und eine Währung blieb International. Nicht selten bezahlten wir mit unseren Nerven. Kein deutsches Frühstück, Betrügereien, Diebstahl, lange auf den Bus warten, lange Busfahrten, verarscht werden, dreckige Toiletten oder gar keine Toiletten, Hitze, Backpacker, Heimweh, ausgebuchte Unterkünfte, klapprige Billigflüge, Piloten auf Methylamphetamin, zickige Partner(in), dreckige Grenzstädte, korrupte Zollbeamte, laute Großstädte und krasse Gegensätze wie Manila z.B.

All das zerrt an den Nerven. Und manchmal, da will man einfach nach Hause, weil die Nerven es nicht mehr aushalten. Man ist ausgelaugt und kaputt. Gerade an Tagen, an denen man in Eile ist, weil man getrödelt hatte und man meinte alle Zeit der Welt zu haben. An solchen Tagen sitzt man dann stundenlang in irgendwelchen klapprigen Bussen auf dem Weg zur Grenze, um schweren Herzens das Land zu verlassen. Das ablaufende Visum sitzt im Nacken und die Klimanlage über deinem Kopf gibt alles, um die Temperaturen im Bus arktisch zu halten. Und irgendwann spät abends, liegst du bei fremden Menschen in einem Hinterzimmer auf dem Bett. Der wackellige, rostige Deckenventilator rührt in der schwülen Luft herum und du denkst: „So habe ich mir meinen Geburtstag nicht vorgestellt!“

Philippinische Pesos

Gesundheit

Auch mussten wir mit unserer Gesundheit bezahlen. So wie ich, Artis, in Indonesien. Es war an einem sonnigen Tag. Wir fuhren wir mit einem Boot und einer handvoll Tauchern raus. Wir hatten einige Tauchgänge vor uns.

Am Morgen hatte ich mit meinem Magen Probleme. Wahrscheinlich etwas falsches gegessen. Mein Magen krempelte sich mehrere Male um, doch ich war naiv genug, die Tauchgänge mitnehmen zu können und stieg mit ins Boot. Was ich nicht ahnte: Das Desaster war nahezu vorprogrammiert.

Kurz vor dem ersten Tauchgang bekam ich weiche Knie. Irgendetwas in mir sagte: Bleib auf dem Boot! Ich blieb natürlich wiederwillig auf dem Boot. Und was nun folgt, hätte ich für kein Geld der Welt unter Wasser erleben wollen!

Während die anderen den Meeresboden untersuchten, wurde mir noch schlechter. „Bist du vielleicht seekrank?“ Das kleine Boot schaukelte auf den Wellen hin und her und der Bootsmann wollte mich motivieren eine Runde zu schwimmen. „Das nimmt dir die Übelkeit, ich mach das auch wenn mir schlecht wird.“ Das einzige, zu dem ich im Stande gewesen war, war mich zu übergeben und lehnte mich erneut über das Steuerbord.

Es muss eine halbe Ewigkeit vergangen sein, bis die Gruppe einige hundert Meter vor uns wieder auftauchte. Während der Bootsmann sie einsammelte, spürte ich wie plötzlich meine Beine unter mir wegknickten. Ich legte mich hin. „Meine Beine!„, winselte ich vor mir her. Ich konnte sie nicht spüren! Wie gelähmt lag ich auf dem Boden des Bootes. Plötzlich prickelte es im ganzen Körper. Es fühlte sich an, als würde eine ganze Ameisenarmee durch meinen Körper marschieren. Und dann mein Magen, er fühlte sich so taub an. Ein seltsames und noch nie erlebtes Gefühl. Und von einem Moment auf den nächsten konnte ich meinen Körper nicht mehr manövrieren. Ich lag da wie gelähmt.

Ich bekam Panik. Wollte etwas unternehmen. Doch ich konnte nicht. irgendjemand legte mich auf die Seite – wahrscheinlich mein Freund. Ich hörte Stimmen: „Stabile Lage! Der Junge muss in die stabile Lage!“ Es war mir peinlich, dass plötzlich alle um mich herum waren. Ich wollte sagen, dass es mir gut geht. Aber das konnte ich nicht mehr. Meine Zunge hing wie ein labbriger Toast aus meinem Mund heraus. Ich lag völlig hilflos da auf dem Boden. Meine Hände haben sich spastisch eingerollt. Mein Körper war außer Gefecht.

Das erste mal auf dieser Reise rollten mir Tränen aus den Augen. Ich hatte Angst. Ehrlich gesagt: Ich hatte verdammte Todesangst! Meine Frau stand tapfer an meiner Seite und hat Stärke bewiesen. Und dann ganz langsam, bewegten sich Bilder vor meinem innerlichen Auge.

Ich öffnete meine Augen. Ich erkannte eine Bambushütte. Der Inselarzt sprach gerade mit meiner Frau. „Noch ein wenig mehr, und seine inneren Organe hätten im Dominoeffekt den Geist aufgegeben.Dehydriert. Beinahe hätte ich mit meiner Gesundheit bezahlen müssen. Aber ab dem Zeitpunkt wurde vorgesorgt. Wasser! Mehr Wasser! Da wollen wir mal nicht geizen.

Der Bootsführer mein Lebensretter

Aber jetzt mal im ernst! Was hat uns die Reise gekostet?

Jemand sagte mal: „Auf Weltreise habe ich weniger ausgegeben, als ein Bundesbürger, der Hartz IV bezieht.“ Zugegeben – Das ist eine reife Leistung! Wir haben wohl ein wenig mehr ausgegeben. Etwa 20.000€! Und wer es genauer wissen will, der kann gerne eine mühevoll geführte Exceltabelle mit jeder einzelnen Ausgabe bekommen. Vom Flug nach Hause bis hin zum illegal gekauften Kaugummi in Singapur. Jeder Penny wurde penibel notiert. Und jetzt, wo wir in unserer Bilanz blättern, können wir sagen: Jeder einzelne Penny war’s wert!

Und was habt ihr nun davon?

„Junge, ne ganze Stange Geld ist das!“ Wird der eine oder andere sagen. Mag wohl sein, haben auch dafür gearbeitet! Doch in Wirklichkeit ist so eine Reise unbezahlbar! Wir haben mehr als wir gezahlt haben bekommen: Erfahrungen, Bilder, Emotionen, Menschen, Kulturen und Landschaften. Unbezahlbar! Da sind 20.000 € Peanuts!

Und was wir nun davon haben?

Fernweh!

Wir träumen weiterBis demnächst! 

15 Kommentare

Verena

14 März , 2018 at 9:06 am

Ein ganz toller Artikel. Richtig super geschrieben.

Dayana

24 Februar , 2014 at 10:56 am

Für das was ihr erlebt hat, würde ich auch mal behaupten das 20.000€ Peanuts sind vorallem wenn man das mal mit den laufenden Kosten hier in Deutschland vergleicht (alleine die Miete, Versicherungen, Sprit..). Vielleicht folgt ja bald ein neuer Eintrag aus Fuerteventura, würde mich freuen! :D

RenArtis

28 Februar , 2014 at 7:50 am

Hey Dayana! Las dich einfach überraschen! ;-)

Bernadette

13 Februar , 2014 at 9:53 am

Wow... toller Rückblick und ziemlich sparsam wart ihr! Wir sind Bernadette und Sebastian aus Österreich und verfolgten eure Reise mit großer Freude. Nun sind wir endlich unterwegs... wenns euch interessiert: www.unsereweltreise.at LG aus der Mongolei :)

RenArtis

28 Februar , 2014 at 8:07 am

Vielen Dank! Es freut uns, dass ihr unsere Weltreise mit Freude verfolgt habt! Schöne Grüße zurück in die Mongolei! Artis und Renate

Anna-Lena

19 Januar , 2014 at 12:19 pm

Hey :) Ein sehr schöner Reise-Rückblick! Ich schaue auch heute noch ab und zu nach ein paar Tipps und Anregungen auf eurer Seite - vielen lieben Dank dafür! Nur ein fader Beigeschmack bleibt: Ich hatte gehofft, ein Jahr reisen hilft gegen Fernweh ;) Alles Gute für eure nächsten Abenteuer! Liebste Grüße aus Kambodscha, Anna-Lena

RenArtis

28 Februar , 2014 at 8:08 am

Hey Anna-Lena! Der Beigeschmack ist gewollt! ;-) Danke dir für deine Treue zu unserer Seite! :-) Artis und Renate

Steffi

17 Januar , 2014 at 8:17 am

Nur zur Sicherheit: 20.000€ zu zweit oder pro Nase?! Ein toller Abschlussbericht und das Video macht dermassen Lust, sofort loszureisen. Aber im Juli ist es ja endlich auch bei uns wieder so weit :) Ich hoffe, ihr startet auch bald wieder los, denn ich liebe euren Blog! Liebe Grüße aus München, Steffi

RenArtis

17 Januar , 2014 at 9:47 pm

Pro Nase macht das dann wohl 10.000€! ;-) Geduld! Geduld! Und euch eine schöne Vorfreude auf eure Reise! :-D

Konrad

16 Januar , 2014 at 2:30 pm

20.000 Euro? Man oh man, da habt Ihr ja wirklich sparsam gelebt. Wir haben so einiges mehr ausgegeben ... und wie auch Ihr es bis jetzt nicht bereut. Unser Budget wurde übermäßig durch die Fahrzeuge die wir uns gekauft haben strapaziert. Wobei warte mal ... ich glaube dass nicht die eigenen Fahrzeuge das Limit überzogen haben, sondern das tägliche kalte Bier im Sonnenuntergang ;) Guter Bericht ... wie immer.

RenArtis

17 Januar , 2014 at 9:53 pm

Danke! Australien haben wir aus gelassen und die Pferde in der Mongolei mussten wir auch nicht kaufen. Also kommt das irgendwie hin. Aber am Bier? Das mag wohl sein! Man(n) gönnt sich ja sonst nichts.

inka

16 Januar , 2014 at 12:24 pm

So schön! :) So schön beschrieben und veranschaulicht, inklusive der ollen und der richtig ollen Passagen. Todesangst haben ist ne Nummer. Habe ich wesentlich kürzer erlebt als Du, werd das aber nie vergessen. Auf ein Neues? LG /inka

RenArtis

16 Januar , 2014 at 4:23 pm

Part II ist in der Mache. ;-)

Manuela

17 Januar , 2014 at 11:38 am

Yeah :-)

RenArtis

17 Januar , 2014 at 9:44 pm

Yes!

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