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Zug 340 Wagon Nr. 13

Die Zahl 13 ist für uns keine Unglückszahl: Hostel in London Zimmer Nr. 13 (Selten aber gibt’s auch), geheiratet haben wir auch an einem 13. und unser großer Lebenstraum: Einmal mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren, wurde uns mit dem Zug Nr. 340, Wagen 13 erfüllt! Ach übrigens: Mit dem Begriff „Transsibirische Eisenbahn“ kann ein Russe nichts anfangen. Am Schalter werden ganz normal Tickets für einen Streckenabschnitt gekauft und fertig. Dafür braucht man kein Reisebüro, keine Agentur oder Sonstiges. Russischkenntnisse sind sehr von Vorteil und Du musst nur wissen, welche Klasse Du fahren möchtest,  bis wohin und wann. Man muss nur noch den richtigen Vaksal (Bahnhof) finden! Der Rest läuft fast automatisch: Matratze, Kissen, Decke inkl. Bettbezüge werden von den netten Zugbegleiterinnen bereitgelegt. Für das leibliche Wohl wird hier auch gesorgt. Jeder bringt etwas mit, das dann brüderliche geteilt wird. Sollte irgendwas fehlen, kann dieses im überteuerten Bordrestaurant oder günstig bei den Babuschkis am Bahnhof gekauft werden. Hier gibt es alles über heiße Pirogi (Wie um alles in der Welt bleiben die so heiß?) bis hin zu Agurtschiki, Tomati, Maroschana (Und wie bleibt das so kalt?) und vieles mehr (Fleischprodukte sollte man hier allerdings nicht kaufen.).

Die Strecke Moskau Irkutsk erstreckt sich über eine Länge von ueber 5000km. Die Fahrzeit beträgt  ca. 82 Stunden, das sind 3½ Tage mit Zeitverschiebung. Unser Mitfahrer  im Coupé Zhargal hat nicht schlecht gestaunt, als wir ihm sagten dass wir über 3 Tage unterwegs sind. Er fährt dieselbe Strecke nur noch etwas weiter (4½ Tage). Angeblich hat er die Information am Schalter nicht mit bekommen. „Hätte ich doch lieber einen Flieger genommen.“ Zhargal ist ein 27-jähriger Soziologie-Student und fährt über die Semesterferien nach Hause, um seine Familie zu besuchen und nebenbei seinen Führerschein zu machen. Laut Andrej braucht man für den Führerschein mind. 3 Monate Zeit, aber Zhargal meint in Russland sei alles möglich, auch einen Führerschein innerhalb von 2 Monaten zu machen. Na dann, viel Erfolg! Der bereits erwähnte zweite Mann im Coupé ist Andrej. Er war wegen eines Gehirntumors zur OP in Moskau, vorher hat er seinen Bruder in der Ukraine besucht und war dort gleichzeitig zur Reha. Jetzt ist auch er nach 2 Monaten wieder auf dem Weg nach Hause. Dort warten bereits seine Frau und Kinder auf ihn. Und als dritte Frau und vierter Mann im Coupé sind natürlich wir, RenArtis, die deutschen Reisenden. Für die Russen hier nicht verständlich, warum wir uns auf diese Tortur einlassen. Aber sie finden es interessant und mögen uns. 😀

Einfach mal abschalten, aus dem Fenster gucken und die vorbeiziehende Landschaft beobachten, die sich langsam ändert, keinen Verpflichtungen nachjagen und einfach nur genießen. Nur die Dame vom Bordrestaurant unterbricht einen dabei, wenn sie mit ihrem Wagen voll Pivo und Pirogi an den einzelnen Coupés anhält. Aber auch sie hat ein paar Geschichten und gute Sprüche auf Lager.

Hier hat man Zeit, um zur Ruhe zu kommen, ein wenig nachzudenken und die Seele baumeln zu lassen. Und was noch am besten ist: man kommt sehr gut mit den anderen Reisenden in Kontakt. Hier gibt’s kein Facebook, kein Twitter oder sonstige virtuelle Communities, in denen man Freunde trifft oder neue Freunde kennen lernt. Hier kann man das Smartphone ruhig ausschalten, Empfang ist hier gleich 0. Hier werden noch richtige Bekanntschaften geschlossen, wie man es schon kaum noch  gewohnt ist. Man wohnt aber auch über 3 Tage lang in einem 1,70m x 2,00m großen Raum, hier kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Es ist interessant, obwohl man sich erst seit ein paar Tagen kennt, kennt man sich schon ziemlich gut. Wir reden über Deutschland, Russland, unsere Familien, die Politik, Gott und die Welt. Ihre Sicht auf viele Dinge ist ein wenig anders, als unsere und das ist gut so. Andrej zum Beispiel hat einige Befürchtungen, was jetzt auf ihn zukommt nach dem Gehirntumor. Wird alles gut? Wie lange dauert es, bis alles verheilt ist? U.s.w. Unsere Mama war vor nicht allzu langer Zeit in der gleichen Situation und es ist interessant zu sehen, wir Gott uns solche Menschen in den Weg stellt, um ihnen von IHM weiterzusagen und zu erzählen, wie gut er ist und wie sehr Gebete helfen!

Langeweile kann aufkommen. Betonung liegt hier auf KANN, muss aber nicht! 😉 Mitten im tiefen Russland, irgendwo in der Taiga auf einem kleinen Bahnhof während eines 20-Minutenstopps verschwindet unser Freund Zhargal, der gerne viel schläft (typisch Student) auf dem Bahnhof und ist nicht mehr aufzufinden. Die Pause ist abgelaufen, die Zuggäste werden aufgerufen einzusteigen, aber von unserem Freund fehlt jede Spur. Im letzten Moment kommt er strahlend um die Ecke gelaufen mit einer Gitarre in der Hand! Yes!!! „Jetzt habe ich mir alles gekauft, was ich schon immer haben wollte!“ (Nach einem Netbook und einem iPhone.) Jetzt wird es garantiert nicht langweilig! Es wurden Lieder in Russisch, Deutsch und Englisch angestimmt. Lustig war es!

Andrej hat uns in der Zeit viel von Russland, der Politik und denjenigen, die diese hier betreiben, erzählt und hat bei uns einige Phrasen in Deutsch gelernt. Es ist einfach zu schön hier!

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Bahn können wir wirklich einem jeden empfehlen, der nicht allzu pingelig ist. Optimal für 4er Gruppen. Einfach zusammen sein und Tage lang Spaß haben, reden über alles Mögliche. Oder für den gestressten Großstadtmenschen: einfach mal zur Ruhe kommen! Aber probiert es selbst einfach mal aus! Im Zug hat man es wirklich gut: Es ist immer heißes Teewasser da, die Zugbegleiterinnen sind immer für einen Spaß zu haben und kümmern sich bestens um das Wohl ihrer Zuggäste. Es wird regelmäßig die Nasszelle bzw. Klo geputzt, der Boden gesaugt und der Staub gewischt. Es ist wie zu Hause! So muss man sich hier auch fühlen. So wie der Herr im weißen T-Shirt links neben Renate: Er hatte die ganze Zugfahrt über nur eine Boxershorts und Badelatschen an, außer um 12 Uhr nachts in Novosibirsk auf dem Bahnhof, da hatte er einmal ein Shirt an! 😀 Ja es war auch ein wenig frisch.

Wir sind gespannt, wie die nächste Strecke wird und hoffen, dass es euch mindestens genauso gut geht, wie uns!

Aufjedenfall sind wir hier in Irkutsk gut angekommen und verbringen die naechsten Tage am Baikalsee mit wunderbar herzlichen Menschen! Vielen Dank an dieser Stelle Tante Erika und Mama fuer dir Organsiation, es ist ZU schoen hier…

Zug 340 Wagon Nr. 13

Die Zahl 13 ist für uns keine Unglückszahl: Hostel in London Zimmer Nr. 13 (Selten aber gibt’s auch), geheiratet haben wir auch an einem 13. und unser großer Lebenstraum: Einmal mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren, wurde uns mit dem Zug Nr. 340, Wagen 13 erfüllt! Ach übrigens: Mit dem Begriff „Transsibirische Eisenbahn“ kann ein Russe nichts anfangen. Am Schalter werden ganz normal Tickets für einen Streckenabschnitt gekauft und fertig. Dafür braucht man kein Reisebüro, keine Agentur oder Sonstiges. Russischkenntnisse sind sehr von Vorteil und Du musst nur wissen, welche Klasse Du fahren möchtest,  bis wohin und wann. Man muss nur noch den richtigen Vaksal (Bahnhof) finden! Der Rest läuft fast automatisch: Matratze, Kissen, Decke inkl. Bettbezüge werden von den netten Zugbegleiterinnen bereitgelegt. Für das leibliche Wohl wird hier auch gesorgt. Jeder bringt etwas mit, das dann brüderliche geteilt wird. Sollte irgendwas fehlen, kann dieses im überteuerten Bordrestaurant oder günstig bei den Babuschkis am Bahnhof gekauft werden. Hier gibt es alles über heiße Pirogi (Wie um alles in der Welt bleiben die so heiß?) bis hin zu Agurtschiki, Tomati, Maroschana (Und wie bleibt das so kalt?) und vieles mehr (Fleischprodukte sollte man hier allerdings nicht kaufen.).

Die Strecke Moskau Irkutsk erstreckt sich über eine Länge von ueber 5000km. Die Fahrzeit beträgt  ca. 82 Stunden, das sind 3½ Tage mit Zeitverschiebung. Unser Mitfahrer  im Coupé Zhargal hat nicht schlecht gestaunt, als wir ihm sagten dass wir über 3 Tage unterwegs sind. Er fährt dieselbe Strecke nur noch etwas weiter (4½ Tage). Angeblich hat er die Information am Schalter nicht mit bekommen. „Hätte ich doch lieber einen Flieger genommen.“ Zhargal ist ein 27-jähriger Soziologie-Student und fährt über die Semesterferien nach Hause, um seine Familie zu besuchen und nebenbei seinen Führerschein zu machen. Laut Andrej braucht man für den Führerschein mind. 3 Monate Zeit, aber Zhargal meint in Russland sei alles möglich, auch einen Führerschein innerhalb von 2 Monaten zu machen. Na dann, viel Erfolg! Der bereits erwähnte zweite Mann im Coupé ist Andrej. Er war wegen eines Gehirntumors zur OP in Moskau, vorher hat er seinen Bruder in der Ukraine besucht und war dort gleichzeitig zur Reha. Jetzt ist auch er nach 2 Monaten wieder auf dem Weg nach Hause. Dort warten bereits seine Frau und Kinder auf ihn. Und als dritte Frau und vierter Mann im Coupé sind natürlich wir, RenArtis, die deutschen Reisenden. Für die Russen hier nicht verständlich, warum wir uns auf diese Tortur einlassen. Aber sie finden es interessant und mögen uns. 😀

Einfach mal abschalten, aus dem Fenster gucken und die vorbeiziehende Landschaft beobachten, die sich langsam ändert, keinen Verpflichtungen nachjagen und einfach nur genießen. Nur die Dame vom Bordrestaurant unterbricht einen dabei, wenn sie mit ihrem Wagen voll Pivo und Pirogi an den einzelnen Coupés anhält. Aber auch sie hat ein paar Geschichten und gute Sprüche auf Lager.

Hier hat man Zeit, um zur Ruhe zu kommen, ein wenig nachzudenken und die Seele baumeln zu lassen. Und was noch am besten ist: man kommt sehr gut mit den anderen Reisenden in Kontakt. Hier gibt’s kein Facebook, kein Twitter oder sonstige virtuelle Communities, in denen man Freunde trifft oder neue Freunde kennen lernt. Hier kann man das Smartphone ruhig ausschalten, Empfang ist hier gleich 0. Hier werden noch richtige Bekanntschaften geschlossen, wie man es schon kaum noch  gewohnt ist. Man wohnt aber auch über 3 Tage lang in einem 1,70m x 2,00m großen Raum, hier kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Es ist interessant, obwohl man sich erst seit ein paar Tagen kennt, kennt man sich schon ziemlich gut. Wir reden über Deutschland, Russland, unsere Familien, die Politik, Gott und die Welt. Ihre Sicht auf viele Dinge ist ein wenig anders, als unsere und das ist gut so. Andrej zum Beispiel hat einige Befürchtungen, was jetzt auf ihn zukommt nach dem Gehirntumor. Wird alles gut? Wie lange dauert es, bis alles verheilt ist? U.s.w. Unsere Mama war vor nicht allzu langer Zeit in der gleichen Situation und es ist interessant zu sehen, wir Gott uns solche Menschen in den Weg stellt, um ihnen von IHM weiterzusagen und zu erzählen, wie gut er ist und wie sehr Gebete helfen!

Langeweile kann aufkommen. Betonung liegt hier auf KANN, muss aber nicht! 😉 Mitten im tiefen Russland, irgendwo in der Taiga auf einem kleinen Bahnhof während eines 20-Minutenstopps verschwindet unser Freund Zhargal, der gerne viel schläft (typisch Student) auf dem Bahnhof und ist nicht mehr aufzufinden. Die Pause ist abgelaufen, die Zuggäste werden aufgerufen einzusteigen, aber von unserem Freund fehlt jede Spur. Im letzten Moment kommt er strahlend um die Ecke gelaufen mit einer Gitarre in der Hand! Yes!!! „Jetzt habe ich mir alles gekauft, was ich schon immer haben wollte!“ (Nach einem Netbook und einem iPhone.) Jetzt wird es garantiert nicht langweilig! Es wurden Lieder in Russisch, Deutsch und Englisch angestimmt. Lustig war es!

Andrej hat uns in der Zeit viel von Russland, der Politik und denjenigen, die diese hier betreiben, erzählt und hat bei uns einige Phrasen in Deutsch gelernt. Es ist einfach zu schön hier!

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Bahn können wir wirklich einem jeden empfehlen, der nicht allzu pingelig ist. Optimal für 4er Gruppen. Einfach zusammen sein und Tage lang Spaß haben, reden über alles Mögliche. Oder für den gestressten Großstadtmenschen: einfach mal zur Ruhe kommen! Aber probiert es selbst einfach mal aus! Im Zug hat man es wirklich gut: Es ist immer heißes Teewasser da, die Zugbegleiterinnen sind immer für einen Spaß zu haben und kümmern sich bestens um das Wohl ihrer Zuggäste. Es wird regelmäßig die Nasszelle bzw. Klo geputzt, der Boden gesaugt und der Staub gewischt. Es ist wie zu Hause! So muss man sich hier auch fühlen. So wie der Herr im weißen T-Shirt links neben Renate: Er hatte die ganze Zugfahrt über nur eine Boxershorts und Badelatschen an, außer um 12 Uhr nachts in Novosibirsk auf dem Bahnhof, da hatte er einmal ein Shirt an! 😀 Ja es war auch ein wenig frisch.

Wir sind gespannt, wie die nächste Strecke wird und hoffen, dass es euch mindestens genauso gut geht, wie uns!

Aufjedenfall sind wir hier in Irkutsk gut angekommen und verbringen die naechsten Tage am Baikalsee mit wunderbar herzlichen Menschen! Vielen Dank an dieser Stelle Tante Erika und Mama fuer dir Organsiation, es ist ZU schoen hier…

13 Kommentare

Edi

14 Juli , 2012 at 7:57 am

Ich bin ein Fan von euch !!!!!!!!

Dirk Scheffler

2 Juli , 2012 at 6:28 pm

Schöner Bericht von eurer Fahrt mit er Transib, ist bestimmt ein Erlebnis! ;-)

Aljona

2 Juli , 2012 at 9:59 am

Es ist schön von euch zu ähm lesen... Sehr abenteuerlich und spannend. Man will selbst dabei sein. Viel Spaß in Irkutsk und grüßt die Krasnopolskij von uns.

RenArtis

4 Juli , 2012 at 11:28 am

Das ist echt schoen, geben uns viel Muehe mit dem Schreiben und es tut uns gut, das Ganze zu "verarbeiten" ;-) Das machen wir! Sie sind sehr liebe Leute, sind mit Anton, seiner Frau, ihrem Sohn und deren Freund unterwegs und sie sind mittlerweile auch unsere Freunde :)

Aljona

6 Juli , 2012 at 6:00 pm

Das ist ja toll!! Ist das Antons Sohn auf dem Foto? Sehr putzig.

RenArtis

10 Juli , 2012 at 2:35 am

Jap, das ist der kleine Egor. Er ist ein sehr, sehr suesser kleiner Spatz!!! Wir muessen hier mal zu viert hin fahren! Es ist einfach nur wunder schoen! Berichtet uns unbedingt, wie es in Russland fuer euch sein wird, wir sind gespannt und freuen uns mit euch! :-)

Aljona

13 Juli , 2012 at 3:01 pm

Oh ja Urlaub mit euch in Irkutsk. Das stell ich mir super toll vor! <3

Evi

2 Juli , 2012 at 9:19 am

Ich mag eure Geschichten! :) Es ist zu schön, von euch zu hören!

RenArtis

4 Juli , 2012 at 11:26 am

Das ist schoen zu hoeren, wir hoffen, dass bei euch auch alles gut ist! :)

Konrad

2 Juli , 2012 at 8:55 am

Ah ja die Transib ... Ich wette, dass Ihr es immer wieder machen könntet, oder? Schön geschrieben :-)

RenArtis

4 Juli , 2012 at 11:26 am

Teil 2 wartet auf uns und wir freuen uns schon sehr!!!

Elly

2 Juli , 2012 at 8:07 am

Das klingt ja spannend bei euch:-) geniesst die zeit. Wir denken an euch.

RenArtis

4 Juli , 2012 at 11:26 am

Das ist es auch! Euch eine gute Zeit in Bulgarien, die wird bestimmt nicht weniger spannend ;-)

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